"Eloquent und voller Leidenschaft, das wahre Schwarzbuch des liberalen Kapitalismus" (Tariq Ali). "Ein Stück erstklassiger Geschichtsschreibung. (...). Ein enorm wichtiger Beitrag, der erklärt, wie in der Welt des ausgehenden 19. Jahrhunderts die Kapitalisten die klimatischen Wechselfälle gezielt ausnutzen, um das zu schaffen, was wir heute als Unterentwicklung bezeichnen" (Immanuel Wallerstein). "Davis hat erneut ein Buch vorgelegt, das sowohl von großem historischen Interesse wie auch für das Verständnis der Gegenwart von Bedeutung ist. Es illustriert die verhängnisvollen Konsequenzen einer Politik, die auf extremer ökonomischer Ungleichheit und vollkommen unausgeglichenen Machtverhältnissen basiert. Die Hungerkatastrophen des imperialistischen Zeitalterveranschaulichen ein anhaltendes Problem menschlicher Unsicherheit und Verwundbarkeit, das untrennbar mit ökonomischer Ungerechtigkeit und fehlenden politischen Einflussmöglichkeiten verknüpft ist" (Amartya Sen, The New York Times Book Review). "Die großen Hungerkatastrophen des ausgehenden 19. Jahrhunderts waren den meisten Beiträgen zur imperialistischen Geschichte bisher nicht mehr als eine Fußnote wert. Generationen von Historikern haben ihre Implikationen weitgehend ignoriert und sie bis vor kurzem als »klimatische Unfälle« jenseits der menschlichen Einflussnahme abgetan. Davis neues Buch zeigt, dass sie sich geirrt haben" (Brian Fagan, Los Angeles Times). "Eine meisterhafte Zusammenfassung der Klima-, Wirtschafts- und Kolonialgeschichte" (New Scientist).
Pressestimmen zur englischsprachigen Ausgabe aus diversen Zeitungen
Ulrich Gutmair Dürre, Hunger, Imperialismus aus fluter
Vorsichtige Schätzungen gehen davon aus, dass gegen Ende des 19. Jahrhunderts etwa 50 Millionen Menschen während drei globaler Dürreperioden starben: Indien, China, Java, die Philippinen, Neukaledonien, Korea, Brasilien, Ägypten, der Maghreb und das südliche Afrika wurden nahezu gleichzeitig von einer Hungerwelle und ihr folgenden Malaria-, Pest-, Ruhr-, Pocken- und Choleraepidemien unvorstellbaren Ausmaßes heimgesucht. ... Wirtschaftshistoriker gleich welcher Couleur haben dieser naturwissenschaftlichen Erklärung des Massenexodus im 19. Jahrhundert in der Regel nicht viel hinzuzufügen, außer vielleicht den Hinweis darauf, dass die beginnende Industrialisierung sicher mehr Menschenleben hätte retten können, wenn sie zum damaligen Zeitpunkt schon weiter fortgeschritten gewesen wäre. Dieser üblichen Einschätzung stellt sich Mike Davis diametral entgegen: Nicht mangelnder Fortschritt, sondern die Zerstörung traditioneller Formen des Katastrophenschutzes und der ökologischen Vorsorge im Namen des Fortschritts sei schuld am unvorstellbaren Ausmaß der Hungersnöte während der Regentschaft der britischen Königin Victoria. ... Davis konzentriert sich in seiner Wirtschaftsgeschichte des 19. Jahrhunderts zunächst auf die ökologischen Aspekte und spricht vom exzessiven Raubbau an Mensch und Natur in den Ländern der entstehenden Peripherie, dem eine bis heute andauernde "ökologische Armut" folgen sollte. Er definiert diese als "der verweigerte oder verlorene Zugang zu den natürlichen Grundlagen der traditionellen Landwirtschaft". Eine damit zusammenhängende wachsende Verarmung der Privat- und schließlich auch der Staatshaushalte, die sich bislang um Nahrungsmittelsicherheit in Zeiten extremer klimatischer Verhältnisse und um ökologische Belange wie Bewässerung, Hochwasserkontrolle und Erosionsschutz kümmerten, führte zur Entstehung der Dritten Welt und ihrer bis heute andauernden Anfälligkeit gegenüber extremen Klimaschwankungen. ... Die Etablierung der modernen Weltwirtschaft unter englischer Regie hatte insbesondere für China und Indien eine radikale ökonomische Verschlechterung zur Folge: Im 18. Jahrhundert noch waren Arbeiter in Indien rechtlich und wirtschaftlich deutlich besser gestellt als in Britannien. Für Davis ist deshalb die entscheidende Frage, warum sich gerade die sehr erfolgreichen asiatischen Ökonomien nicht an die neuen Wettbewerbs- und Produktionsbedingungen anpassen konnten. ... Weithin bekannten Imperialismusanalysen hat Davis an diesem Punkt nicht viel Neues hinzuzufügen, in Zeiten neoliberaler Markteuphorie kann aber sicherlich nicht oft genug auf die Rolle von Gewalt bei der ursprünglichen Akkumulation, der Etablierung der kapitalistischen Produktionsweise und ihrer Märkte, hingewiesen werden. In zahlreichen Einzelstudien zeichnet er zudem die strukturellen Anpassungskosten an das neue Regime nach und zeigt auf, wie diese von Europa und Nordamerika auf die Bauern der "frisch geprägten Peripherien" übertragen wurden. ... Eigentlich unvorstellbar, dass so ein "unzeitgemäßes" Buch noch geschrieben werden musste - und seit der Auszeichnung mit dem World History Association Book Award zumindest in den USA, aber auch in Frankreich und Italien eine rege Debatte auslöste. Doch auch wenn die Anklage des Imperialismus sicher nicht neu ist, besticht Davis' Analyse doch durch seine analytische Schärfe in Tradition der Kritik der politischen Ökonomie sowie den Detailreichtum der zahlreichen Länderstudien. Der von ihm so genannten moralischen Anklage etwa durch eine bewusst schockierende Bebilderung mit zeithistorischen Fotos oder durch die Verwendung des Begriffes Holocaust, den die Übersetzer sensibel durch Massenvernichtung ersetzt haben, hätte es angesichts der Schlüssigkeit seiner Argumentation gar nicht bedurft. ...
Gottfried Oy Alle reden vom Wetter aus Frankfurter Rundschau
Gaby Weber Gemachte Katastrophen aus ila 282 mehr ...
Mike Davis, Ökonom und Stadtsoziologe aus Kalifornien, wurde in Deutschland vor allem durch „City of Quartz. Ausgrabungen der Zukunft in Los Angeles" (Assoziation A, 1994), bekannt. Nach mehrjähriger Recherche legte er 2001 die umfangreiche Analyse „Late Victorian Holocausts. El Niño Famines and the Making of the Thirld World“ vor, die im Sommer 2004 unter dem Titel „Die Geburt der Dritten Welt. Hungerkatastrophen und Massenvernichtung im imperialistischen Zeitalter“ erschienen ist, hervorragend übersetzt von Ingrid Scherf, Britta Grell und Jürgen Pelzer. Wir sind so reich, weil sie so arm sind. Oder: Sie sind so arm, weil wir so reich sind. Natürlich erscheint und ist das zu banal. Aber dennoch: Bei der (nicht einfachen) Lektüre der „Politischen Ökologie des Hungers“ von Mike Davis wird es immer wieder beschrieben und mit einer Unmenge von Fakten und historischen Dokumenten detailgenau belegt: Das Elend der Dritten Welt, ja die „Dritte Welt“ selbst ist unmittelbare Folge von Klimakatastrophen, den dadurch bedingten Hungersnöten und der zeitgleich erfolgenden gnadenlosen Eingliederung der Wirtschaftssysteme weiter Teile der südlichen Hemisphäre in die liberalistische Freihandelsideologie während des Siegeszuges des vor allem durch das britische Empire im 19. Jahrhundert beherrschten Imperialismos entstanden. Die Hauptthese von Davis ist, dass die Klimakatastrophe in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, während der vor allem in Indien, Äthiopien, China und Brasilien mindestens fünfzig Millionen Menschen verhungerten, der Auslöser für die „Geburt der Dritten Welt“ ist und in der Folge ein „Holocaust“ stattfand (für die deutsche Übersetzung wurde Massenvernichtung als Entsprechung gewählt). Diese Klimaschwankungen im 19. Jahrhundert, die von der Meteorologie als ENSO (El Niño/Southern Oscillation), Oszillation von Luftmassen und Meerestemperatur im Pazifikbecken, beschrieben werden, führten zu radikalen klimatischen Verschiebungen wie etwa dem Ausbleiben des Monsunregens. Gab es solche klimatisch bedingten Katastrophen schon immer, führt Davis an vielen akribisch recherchierten Beispielen aus Indien, Brasilien und China vor, dass die liberalistische Kolonialideologie tradierte Vorratsstrukturen zerstörte, die „ledernen Gesetze“ staatlicher Nothilfe durch die „eisernen Gesetze“ der Kolonialherren ersetzte und so die traditionellen Formen des Katastrophenschutzes und der "ökologischen Vorsorge" im Namen des Fortschritts während des "imperialistischen Zeitalters" zerstört wurden. Illustriert werden diese Studien durch historische Fotos von verhungernden oder verhungerten Menschen, die verstehen lassen, warum der Autor im Original den Titel „Late Victorian Holocausts“ gewählt hat. Damit stellt sich Davis diametral der Erklärung gegenüber, wonach die beginnende Industrialisierung Menschenleben hätte retten können, wenn sie dort zum damaligen Zeitpunkt schon weiter fortgeschritten gewesen wäre. „Millionen starben nicht außerhalb des »modernen Weltsystems«, sondern im Zuge des Prozesses, der sie zwang, sich den ökonomischen und politischen Strukturen anzupassen. Sie starben im goldenen Zeitalter des liberalen Kapitalismus; viele wurden, wie wir sehen werden, aufgrund der dogmatischen Auslegung der orthodoxen Prinzipien von Smith, Bentham und Mill regelrecht ermordet", so Davis. Mit analytischer Schärfe in der Tradition der Kritik der politischen Ökonomie sowie enorm detailreichen, aufwändig recherchierten Länderstudien erzählt Mike Davis Geschichten und analysiert die Geschichte des viktorianischen Kolonialismus wie einen Wirtschaftskrimi und definiert so den „Ökologischen Imperialismus“ neu. Die Grundlagen für die bis heute andauernde extreme globale Ungleichheit wurden für Davis in dieser Zeit gelegt, und Hungersnöte, Verarmung und die Zerstörung der (in keiner Zeile romantisch verklärten) Subsistenzwirtschaft in den Ländern des Südens haben die „Dritte Welt“ entstehen und die Kolonialherren reich und wohlhabend werden lassen: Wir sind so reich, weil sie so arm sind. Wer diesen Mechanismus besser verstehen will, der sollte sich auf das Werk von Mike Davis, das 2002 mit dem World History Association Book Award ausgezeichnet wurde, unbedingt einlassen.
Stefan Thimmel Europäer sind wie Heuschrecken aus INKOTA-Brief
Jessica Zeller Wie der Hunger gemacht wird aus jungle world
Weite Regionen der Welt wurden durch Europäer systematisch verelendet. Diese These belegt der US-Historiker Mike Davis am Beispiel des Weltwissens über Naturkatastrophen. Hanna Leitgeb liest diese horrende Studie mit Empörung und Wut.
Hanna Leitgeb Bücher des Monats aus Literaturen
Ulrich Gutmair aus NETZEITUNG mehr ...
Einen Überblick über die wichtigsten Rezensionen findet sich auf der Website von Perlentaucher.
Rezensionen Überblick (Zeit, SZ, taz, FR) aus Perlentaucher mehr ...
Das Buch sollte bbbPflichtlektüre für Geschichtslehrer/BBB ... sein.
Jan Rintelen aus rezensionen.ch mehr ...
Jason W. Moore Ökologie und Imperialismus aus SoZ mehr ...
Anke Schwarzer aus Südwind mehr ...
... Wichtiger erscheint, dass Mike Davis, indem er historische Ereignisse als Kommentar heranzieht, zugleich einen wichtigen Beitrag zur historischen Tiefendimension der Globalisierung leistet. ... Davis Buch ist auch ein bedeutender Beitrag zu den jüngst intensiv gestellten Fragen nach den ökologischen Auswirkungen von Kolonialismus und Imperialismus. Die zwangsweise Eingliederung in den Weltmarkt, das Ersetzen bäuerlicher Subsistenzwirtschaft durch den Anbau von cash-crop führte zum Niedergang eines über Jahrhunderte entwickelten Katastrophenschutzes. ... Millionen Menschen verloren ihr Leben. ... Davis hat ein wichtiges Buch geschrieben, in einer Zeit, in der sich eine positive Neubewertung des britischen Empire abzeichnet. ... Davis indes zeigt die blutigen Kollateralschäden dieser Politik.
Jürgen Zimmerer Euphemismus Globalisierung? aus SZ
Mark Terkessidis Dürre und Kapitalismus aus taz mehr ...


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