Davis, Mike

Eine Geschichte der Autobombe

Aus dem Englischen von Klaus Viehmann

ISBN 978-3-935936-58-3 | erschienen 05/2007 | 232 Seiten | Paperback | lieferbar | 20,00 €

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Der Horror der Autobomben ist im Irak und in Afghanistan zu einem fast schon alltäglichen Ereignis geworden. Dass diese »Höllenmaschinen« eine über 80-jährige Geschichte haben und von ganz unterschiedlichen Akteuren und in verschiedenen Kontexten auf fast allen Kontinenten eingesetzt wurden, untersucht Mike Davis in seinem Buch.

Ihre Geschichte begann am 16. September 1920. Um 12 Uhr mittags explodierten in der New Yorker Wall Street 50 kg Dynamit. Die Bombe war in einer Kutsche versteckt, die der italienische Anarchist Mario Buda abgestellt hatte, um die J.P. Morgan Bank zu treffen. 33 Menschen wurden getötet und 400 verletzt, der Sachschaden ging in die Millionen. Diese erste »Autobombe« sollte eine Vergeltungsaktion für die Verhaftung der beiden italienischen Anarchisten Nicola Sacco und Bartolomeo Vanzetti sein, die später unter falschen Vorwürfen zum Tode verurteilt und hingerichtet wurden. Dass Buda der Täter war, blieb jahrzehntelang unbekannt. Erst recht, dass er sich wenige Jahre nach dem Anschlag der faschistischen Bewegung Mussolinis anschloss.

Erst 1947 folgte in Palästina ein weiterer Anschlag mit einer Autobombe, als die rechtszionistische »Stern-Gang« einen mit Sprengstoff beladenen Lastwagen vor einer britischen Polizeikaserne in Haifa zündete, bei dem vier Menschen ums Leben kamen und 140 verletzt wurden. Es folgen Anschläge in Saigon, im Algerienkrieg 1952, in Palermo und wieder in Saigon.
Anfang der 1970er Jahre nahm die Zahl der Autobombenanschläge zu. Die IRA perfektionierte und rationalisierte die Herstellung solcher Sprengsätze nach dem »Bloody Friday« von 1972 und setzte sie jahrzehntelang in Nordirland und auch in London ein. Eine IRA-Lastwagenbombe verursachte 1993 in der Londoner City einen Gesamtschaden von über einer Milliarde Dollar.

1983 geschah, was Davis einen »Quantensprung« in der Geschichte der Autobombe nennt: Die Hisbollah kombinierte das Selbstmordattentat und die rollende Bombe bei ihrem Anschlag auf das Hauptquartier der US-Marines in Beirut, 240 Marines kamen in den Trümmern um, und die Reagan-Regierung zog ihre Truppen aus dem Libanon ab. Mit geringem wirtschaftlichen Aufwand wurde eine maximale Wirkung erzielt.
Zwischen 1992 und 1998 verursachten 16 größere Autobomben in 13 Städten mehr als 1.000 Tote und 12.000 Verletzte. In London und Manhattan entstanden zudem Sachschäden in Milliardenhöhe, die eine Umstrukturierung des weltweiten Versicherungswesens zur Folge hatten. Autobomben explodierten und explodieren von Bogotá bis Mumbai - Orte in 58 Ländern wurden bisher getroffen.

Autobomben als »Open-Source«-Kriegführung ergeben einen Global-Network-Terrorismus, der ohne eindeutige Befehlshierarchien auskommt. Die Protagonisten heutiger »Höllenmaschinen« sind nicht mehr auf die großen Medien angewiesen, sie stellen ihre Aktionen als Videoclips selbst ins Netz, wo sie global abgerufen werden können.

Autobomben sind zu einem klassischen Mittel geworden, um ethnisch oder religiös aufgeladene Konflikte zu eskalieren. Mike Davis kommt zu dem Schluss: "Die Autobombe ist eine von ihrem Wesen her faschistische Waffe."



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