Davis, Mike

Vogelgrippe

Zur gesellschaftlichen Produktion von Epidemien

Aus dem Englischen von Ingrid Scherf

ISBN 978-3-935936-42-2 | erschienen 10/2005 | 168 Seiten | Paperback | lieferbar | 14,00 €

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Mike Davis geht in seiner neusten Untersuchung der Frage nach, welche Gefahren im globalen Maßstab durch die Entwicklung und Verbreitung neuer Grippeviren, insbesondere der Vogelgrippe, drohen.
Als 1997 in Hongkong zum ersten Mal das Virus H5N1 bei Menschen nachgewiesen wurde, wollten nur wenige Wissenschaftler das Ausmaß der Bedrohung zur Kenntnis nehmen. Das hat sich gründlich geändert. Die WHO kalkuliert mittlerweile mit bis zu 100 Millionen Toten weltweit.
Mike Davis zeichnet in einer exakten Analyse die Ausbreitungsformen und virologischen Zusammenhänge nach, die auf dem Hintergrund der schnell voranschreitenden evolutionären Entwicklung der Krankheit bis heute bekannt sind. Waren Mediziner noch vor kurzem davon ausgegangen, dass eine Übertragung des Vogelgrippevirus auf den Menschen äußerst unwahrscheinlich ist, so muss man heute eingestehen, dass auch Übertragungen von Mensch zu Mensch sich nicht mehr ausschließen lassen.

Davis bleibt aber nicht bei den medizinischen Implikationen stehen, sondern stellt den Zusammenhang mit dem Agro- und Pharmabusiness sowie den Politikformen her, die eine wirksame Bekämpfung und Prävention der Krankheit behindern. Er beschreibt die Veränderung der Nahrungsmittelproduktion in Asien in den 90er Jahren und die mit ihr einhergehende Neuzusammensetzung der Klassenverhältnisse in Südchina.
Er analysiert die Ausbreitung der kapitalistischen Landwirtschaft, die gigantischen Konzentrationsprozesse der vor- und nachgelagerten Industrien, den Verlust des »bäuerlichen« Zusammenhangs – Zerstörung der ländlichen Produktions- und Lebensverhältnisse –, die Voraussetzung und Ursache der Migrationsströme in die Slums der Megastädte sind.

Es sind die Armen in den Megastädten der 3. Welt, die zu doppelten Opfern der globalen Entwicklung werden. Sie sind diejenigen, die durch die Ausbreitung der kapitalistischen Agrarwirtschaft von ihrem Land vertrieben in den Städten stranden, unter schlechtesten Bedingungen einer hohen Ansteckungsgefahr ausgesetzt sind und für die keinerlei medizinische Versorgung vorgesehen ist. Armut und Unterernährung bleiben der wichtigste Sterblichkeitsfaktor in den Slums.

Das Thema hat eine äußerst ernst zu nehmende bevölkerungspolitische Dimension. Denn vielleicht werden Seuchen das Vehikel der Migrationskontrolle und des sozialen Containments der Zukunft sein.

Siehe auch den aktuellen Artikel des Autors in der WoZ vom 27. Oktober 2005 Europa und die Vogelgrippe.



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