... Der öko-marxistische Stadtsoziologe, der mit seinen Büchern "City of Quartz" und "Ökologie der Angst" ein faszinierendes Menetekel der kalifornischen Zentren zwischen Naturkatastrophe und Rassenkonflikten beschworen hatte, spannt seine methodisch-stilistischen Flügel, um den Angriff der Killerviren aufklärerisch zu begleiten.
Die Vogelgrippe, die seit ein paar Wochen wieder in aller Munde ist, ist Davis zufolge keine Mutationslaune der Natur, die aus unberechenbarer genetischer Kombinationslust hervorgeht, sondern beinahe zwangsläufiges Ergebnis kapitalistischer Marktdynamik, die industrielle Massentierhaltung, unzureichende Hygiene und die abrupte Veränderung regionaler Ernährungsgrundlagen zu einer explosiven biologischen Bombe zusammenbrauen. Das Überspringen der Artengrenze, die Möglichkeit einer viralen Infektion von Mensch zu Mensch, die die Gefahr einer Pandemie erst heraufbeschwört, trat Davis zufolge in den vergangenen zehn Jahren stets dort auf, wo massiv in die traditionellen Arbeits- und Lebensbedingungen eingegriffen wurde. ...
Man tut Davis nicht Unrecht, sein Buch als Doku-Thriller zu bezeichnen, der nicht davor Halt macht, die verheerende Wirkung der Viren an die Wand zu malen, die stets zuerst die Armen in den urbanen Zentren trifft. Was nun als unheimliche Bedrohung über die Vogelflugrouten heraufzieht, beschreibt Davis als vergleichsweise langsame Geschichte von politischen Fehleinschätzungen und Versäumnissen. Frühe wissenschaftliche Erkenntnisse wurden systematisch in den Wind geschlagen, und noch immer scheint die pharmazeutische Industrie nicht gewillt, in die Produktion von Medikamenten zu investieren. Verdienen, so Davis' trockenes Fazit, lässt sich erst an der Epidemie, aber nicht an deren Vorbeugung. ... |