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Agit 883

Bewegung, Revolte, Underground in Westberlin 1969–1972

ISBN 978-3-935936-53-8 | erschienen 10/2006 | 296 Seiten | Paperback | lieferbar | 22,00 €

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2. Auflage, August 2007.

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Viele haben von ihr gehört, aber die wenigsten haben sie in der Hand gehalten: Die Berliner Zeitung Agit 883. Als Medium der Gegenöffentlichkeit strahlte sie in den Jahren 1969 bis 1972 weit in die Bundesrepublik aus. Agit 883 war das auflagenstärkste Organ des parteiunabhängigen Linksradikalismus jener Tage.
Die Redaktionsräume der Zeitung waren der Ort von Begegnungen und lautstark wie zum Teil handgreiflich ausgetragenen Konfrontationen innerhalb des linken Spektrums: Anarchisten trafen hier auf Maoisten, Antiimperialisten waren mit engagierten Mitgliedern von Basisgruppen konfrontiert, Sozialisten versuchten sich einen Reim auf Hasch- und Wermutrebellen sowie rote Bauarbeiter zu machen. Musiker verfolgten die Redaktionsdebatten genauso wie angehende Journalisten. In den öffentlichen Redaktionstreffen der 883 verdichtete sich, was die Linke jener Tage in Szenelokalitäten, Kommunen und Wohngemeinschaften geredet, nachgedacht und nächtelang diskutiert hatte.
Rund 250 politische Gruppen nutzten die Zeitung – sie sprengte die zuvor überwiegend verbandsförmig bestimmte Öffentlichkeit der Studentenbewegung. Agit 883 kann als Spiegelbild eines Neuzusammensetzungs- und Suchprozesses der radikalen Linken in den Jahren 1969/70 gelten. Die Zeitung war nicht nur theoretisches Medium, sondern visualisierte das vibrierende Lebensgefühl der Linken in Berlin. Agit 883 war mit dem durcheinander gewirbelten Layout und in der Sprache in irritierender Weise anders. Es ist augenfällig: Für diese linke Generation stand die Revolution auf der Tagesordnung.

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Inhaltsverzeichnis

Knud Andresen / Markus Mohr / Hartmut Rübner: „Unruhe in der Öffentlichkeit“. Agit 883 zwischen Politik, Subkultur und Staat

Gottfried Oy: „Jede neue Nummer ist ein Abenteuer“. (Gegen-)Öffentlichkeitskonzepte der „auflagenstärksten und billigsten APO-Zeitung“ Berlins

Thomas-Dietrich Lehmann: „Erscheint donnerstags mit Kleinanzeigen“. Auf den Spuren einer linken Infrastruktur

Klaus Weinhauer: Der Westberliner „Underground“. Kneipen, Drogen und Musik

Massimo Perinelli: Lust, Gewalt, Befreiung – Sexualitätsdiskurse

Markus Mohr: „Diese Geschichte geht alle Genossen an ...“ Zur Gründungsgeschichte der Westberliner Buchladen Kollektive

Christopher Schmidt: „Mit Bakunin die Flipper schlagen!“ Die AnarchistInnen und das Ende des Zeitungsprojekts Agit 883

Hanno Balz: Militanz, Blues und Stadtguerilla – Konzepte politischer Gegengewalt

Michael Hahn: Land der Superpigs. Wie die Agit 883 zusammen mit Black Panthers und Weathermen die „zweite Front in den Metropolen“ eröffnete

Knud Andresen: Das „äußerst komplizierte Palästinaproblem“. Antizionismus und Antisemitismus in der Agit 883

Peter Birke: Der Traum von der „kämpfenden Arbeiterklasse“. Lohnarbeit und Arbeitskämpfe in der Agit 883

Dario Azzellini: „Die ausländischen Genossen können unschätzbare Dienste leisten“. Mit dem Internationalismus rund um den Globus

Sven Steinacker: Die radikale Linke und soziale Randgruppen: Facetten eines ambivalenten Verhältnisses

Hartmut Rübner: Geister der Vergangenheit: Vom Nationalsozialismus zum neuen Faschismus

Niels Seibert: „Der schlafenden Flughafenpolizei krachten die Scheiben um die Ohren ...“
Ausländergesetz, Arbeitsmigration, Afroamerikaner: Der Kampf gegen Rassismus in Agit 883

Freia Anders: Agit 883 im Fokus der Strafjustiz

Markus Mohr: „Wer den Knast kennt, verdammt das Establishment“