Lebenswege

15 Biographien zwischen Europa und Lateinamerika

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240 Seiten, Paperback, Gert Eisenbürger (Hg.)

ISBN

978-3-922611-48-6

Erschienen

1995

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Beschreibung

Das Buch erzählt in beeindruckenden Porträts die Lebensschicksale von deutschen und österreichischen Antifaschisten, verfolgten Juden und Jüdinnen, die vor dem Nationalsozialismus nach Lateinamerika flüchteten und dort weiter politisch und künstlerisch aktiv waren.
Ebenso werden Biografien von Menschen vorgestellt, die Jahrzehnte später den umgekehrten Fluchtweg nahmen und in der BRD bzw. DDR Asyl vor den Militärdiktaturen Lateinamerikas suchten.

Interviews, Texte und Fotos von und über: Pieter Siemsen, Nelly Meffert, Ernesto Kroch, Osvaldo Bayer, Gilberto Bosques, Steffie Spira, Alfredo Bauer, Esther Andradi, Leni Alexander, Pedro C. Holz, Omar Saavedra Santis, Cecilia Boisier, Mauricio Rosencof, Peter Paul Zahl, Germán Meneses.

Herausgeber Gert Eisenbürger hatte den ausgezeichneten Einfall, Erfahrungen lateinamerikanischer Emigranten in beiden deutschen Republiken denen gegenüberzustellen, die europäische Emigranten in den dreißiger Jahren und danach in Lateinamerika gemacht hatten.
Lothar Baier, der Freitag, 22.12.1995

Nein, dies ist kein Beispiel unzugänglicher Wissenschaftlichkeit auf dem Felde der Biographieforschung, oder gar eine Sammlung glorifizierender Schwarz-weiß-Malerei. Es ist ein spannendes, lesbares und bereicherndes Buch für Leute, die an Menschen und politischen Verhältnissen interessiert sind. Es werden Menschen vorgestellt, deren Lebensläufe sich zwischen Europa und Lateinamerika abspiel(t)en. Gemeinsam ist ihnen, daß sie aus politischen Gründen entweder Europa oder Lateinamerika verlassen haben, verlassen mußten. Insofern sind sie Teil einer linken Geschichte, in der „ein Erfahrungsschatz von Menschen zutage trat, der in der Geschichtswissenschaft kaum Platz hat, der dieser jedoch sehr viel Wertvolles sowohl über die subjektiven Momente der Geschichte von Widerstand und Verfolgung als auch über die Beweggründe und Befindlichkeiten von Menschen in der Fremde hinzufügen könnte“, wie Gert Eisenbürger in der Einleitung schreibt.
Claudia Bernhard, FORUM entwicklungspolitischer Aktionsgruppen 194/195/95

Thematisiert wird das Exil als „wahre Tragödie“ (O. Bayer), als Kulturschock, als Ereignis, das die ExilantInnen ihrer Sprache, ihrer sozialen Rolle und der Koordinaten ihres täglichen Lebens beraubt. Herausgestrichen wird, wie die Verfolgten sich dieser fortgesetzten Unterdrückung entzogen: durch die Selbstbehauptung in den EmigrantInnenorganisationen, durch die Kontinuität von Weltanschauung und politischem Engagement oder die literarische Verarbeitung des Exils, durch die Hoffnung auf Rückkehr oder die Suche nach einer neuen Sprache.
Thomas Roth, Schnüss, Bonner Stadtmagazin, 5/95

Die Interviews ermöglichen es, einen wichtigen Teil Geschichte zu verstehen und zeigen die Parallelen zur heutigen Flüchtlingsproblematik.
Evangelia Wasdaris/Annette Lützel, Lateinamerika Nachrichten 251, Mai 1995

Las experiencias de latinoamericanos y de alemanes difieren en cuanto a la acogida que han recibido. Los alemanes afirman todos haber tenido una muy buena acogida y hablan de la bondad de los latinoamericanos. Los latinoamericanos, en cambio, destacan las dificultades para integrarse en la sociedad alemana y a veces la hostilidad declarada, una hostilidad que queda igualmente manifiesta en el sentido que en alemán va tomando la palabra Ausländer“, extranjero“.
Julio Aramayo, Deutsche Welle, 26.2.1996

Die ausführlichen Interviews mit Fluchthelfern und Flüchtlingen spiegeln auch die Arbeit und den Einsatz der Exil-Organisationen wider. Das Buch gibt wichtige Anstöße zum Nachdenken – auch darüber, daß eine großzügige Flüchtlings- und Asylpolitik mehr ist als nur eine humanitäre Geste. Sie führt Menschen und Kulturen zusammen und wird zum Kristallisationspunkt gegenseitigen Respektes.
Hartmut Hölscher, Heilbronner Stimme, 24.12.1996

Wollte man die Interviews ordnen, obwohl sich die Persönlichkeiten in ihrer Singularität in gewisser Weise dieser Rubrizierung widersetzen, so ließen sich drei Kategorien finden: Exil-Latinos, die vor ihren Diktaturen in Chile, Uruguay oder Argentinien nach Deutschland flohen. Antifaschisten, die Aufnahme in den Ländern Lateinamerikas fanden und nicht selten später vor den dortigen Despoten zurück nach Deutschland flohen. Schließlich wenn man so will – Außenseiter unter den Außenseitern, wie der in Peru aufgewachsene spätere deutsche Bundestagsabgeordnete German Meneses oder Zahl, die mehr oder minder freiwillig ihre Länder verlassen haben.
Thomas Beier, epd-Entwicklungspolitik 3/96

Die Menschen, denen die Flucht nicht glückte, weil sie alle Türen verschlossen fanden und deshalb ihren Verfolgern und Mördern in die Hände fielen, und auch die vielen, die am Exil zerbrachen, können ihre Geschichte nicht mehr erzählen. Dennoch klingen auch diese nicht erzählten Geschichten mit, wenn vor dem Hintergrund eines in der BRD de facto abgeschafften Asylrechts 15 Menschen zwischen Europa und Lateinamerika zu Wort kommen. Dem Buch sind eine weite Verbreitung und offene Herzen zu wünschen.
Helmut Schaaf, Schrägstrich, Zeitung der Grünen NRW

Das Buch macht 15 dieser Menschen sichtbar, ihre Fluchtgründe und neuen Hoffnungen, ihre Überlebensstrategien und Einsamkeiten, aber manchmal auch ihre Veränderungen und ihr Wurzelfassen im neuen Leben. […] Sie taten damit genau das, was nötig und möglich war, um die scheinbaren Sieger der Geschichte nicht triumphieren zu lassen. […] Daß dies nicht gelingt, wenn Menschen sich wehren, das zeigt vielleicht kein Lebensweg besser als der von Mauricio Rosencof: Er wurde 1933 in Uruguay als Sohn polnischer jüdischer Emigranten geboren, wurde auf diesem Hintergrund sozusagen „automatisch“ Kommunist, dann Tupamaro, saß zwölf Jahre als Geisel der Militärdiktatur in Einzelisolation, ist nach wie vor bei den Tupamaros aktiv und arbeitet als Schriftsteller. Als überzeugter Atheist ist er sich trotzdem – Ilja Ehrenburg zitierend – seiner Wurzeln bewußt: „Solange ein einziger Antisemit auf der Welt ist, bleibe ich Jude.“
Werner Rätz, ak 378, 4.5.1995

Alle Gespräche kreisen um Probleme des Exils und des Widerstands, um das Erleben von Fremde und Nähe, um Weggehen und Wiederkehren, um Verlust der einen und Gewinn einer zweiten Heimat, um die Sehnsucht auch nach dem verlorenen Exil – dem «Heimwehland», wie Nelly Meffert, Witwe des Malers und Grafikers Clément Moreau, ihr Exilland Argentinien nennt. […] Lebenswege sind auch Wege des Scheiterns. Wieder macht das Cecilia Boisier klar, als sie, auf die letzte, abschliessende Frage, die Frage nach unerfüllten Träumen, zu weinen beginnt. «Wir leben», sagt sie, «in einer Zeit von soviel Hass und Zerstörung. Und die Hoffnungen fehlen.» Allein schon einer solchen Antwort wegen habe ich «Lebenswege» als ein Buch der unerbittlichen Hoffnung gelesen.
Erich Hackl, WoZ, 30.6.1995

La heroica labor de un cónsul mexicano que salvó a miles de judíos y europeos de ser víctimas del nazismo -durante la Segunda Guerra Mundial- es uno de los ejes del libro „Vidas: 15 biografías entre Europa y Latinoamérica“, publicado en Hamburgo. La historia de Gilberto Bosques, diplomático que desempeñó el cargo de cónsul general de México en París, a partir de 1939, cuando estalló la segunda conflagración, forma parte de una compilación de ILA que acaba de salir a la venta, revista que se especializa en temas que vinculan a Europa y Latinoamérica.
La Jornada, 25.7.1995

Ein Buch, dessen Titel und Untertitel einen zunächst an „Wanderer zwischen den Welten“, an Menschen, die in unterschiedlichen Kulturen zu Hause sind, denken läßt. Doch nicht der eigene, freie Lebensentwurf ist die bestimmende Konstante dieser 15 Biographien, denn fast alle handeln von Menschen, die gezwungen waren, vor Terror und Verfolgung in ihren Heimatländern zu fliehen. […] Der spannende Band rückt zwei wesentliche Dinge ins Blickfeld: die aus der Konfrontation der politischen und sozialen Utopien der Linken und einer gewaltdurchtränkten Reaktion eines halben Jahrhunderts gespeiste Emigration sowie das ganz subjektive Erleben des Exils, der Fremdheit. […] Damit verbinden sich Exilerfahrungen, die von tiefer Verstörung bis zu darin liegenden Chancen reichen Erfahrungen, die zu Bewußtsein bringen, welcher inneren Stärke es allein bedarf, um mit dem abrupten Verlust gelebten Lebens, d.h. der Bezug auf Freunde (wenn nicht gar Lebenspartner und Kinder), auf die eigene Kultur, die beruflichen Verankerungen und Perspektiven, zurechtzukommen. […] Aber nicht die großen Debatten bestimmen dieses Buch. Hier zählt die Offenheit, mit der Menschen Lebensstationen und politische Schlüsselerfahrungen schildern, das Kaleidoskop von Momenten unerwarteter Solidarität, eingestandener Irrtümer oder der Entscheidung, in den Untergrund zu gehen. Das nicht geringe Angebot an die Leserinnen ist, ihren geschichtlichen Blick zu erweitern und Fragen zu stellen, an sich, den Zeitgeist, die Wagenburg-Mentalität in Deutschland und Europa.
Manfred Pfister, Colibrí, Heft 6, 1996

Das Buch LEBENSWEGE ist ganz sicher eine Pflichtlektüre für all jene, die sich mit der Geschichte des Widerstands gegen Unfreiheit und Tyrannei im XX. Jahrhundert sowohl hierzulande als auch in Lateinamerika beschäftigen wollen. Für mich jedenfalls ist es eine meiner beeindruckendsten und schönsten Lektüren der letzten Jahre gewesen. Ein ganz besonderes Kompliment gilt dem Hamburger Verlag Libertäre Assoziation, der den Mut aufgebracht hat, so ein Buch in diesen für Flüchtlinge und Grenzgänger nicht gerade rosigen Zeiten herauszubringen und uns Lesern zugänglich zu machen.
Cristián Cortés, Radio Bremen, 27.6.1996