Die Briefe, die nicht ankamen

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Aus dem Spanischen von Willi Zurbrüggen, Neuausgabe, ca. 144 Seiten, Hardcover, auch als E-Book erhältlich

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Erscheint

02/2026

ISBN

978-3-86241-516-8

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Beschreibung

Mauricio Rosencof, der während der Militärdiktatur in Uruguay lange Jahre als politischer Gefangener inhaftiert war, sucht mit diesem Roman das Gespräch mit seinem verstorbenen Vater. Ein behutsames Ansprechen, eine beharrliche Spurensuche, ein Aufrufen kleinster Erinnerungen, um die Welt seiner Kindheit, das Schicksal der Verwandten in Polen zum Leben zu erwecken.

Der Vater, von Beruf Schneider, war Anfang der 1930er-Jahre als Emigrant nach Lateinamerika gekommen. Ein Jahr später folgten die Mutter Rosa und der ältere Bruder León. Aus Europa kommen Nachrichten vom Spanischen Bürgerkrieg, dann vom Einmarsch der Deutschen in Polen und der Entfesselung des Zweiten Weltkriegs. Die Briefe der zurückgebliebenen Verwandten werden immer bedrückender, irgendwann bleiben sie ganz aus. Auf einer fiktiven Ebene schreibt Mauricio sie für den Vater, für sich, für alle weiter.

In beklemmender Weise treten so die Ghettoisierung der jüdischen Einwohner von Bełżyce, einer Kleinstadt in der Nähe von Lublin, ihr Leid und ihre Deportation in die Vernichtungslager vor unsere Augen. In den 1960er-Jahren besucht der Autor Auschwitz und das Denkmal des Warschauer Ghettoaufstands. »Da habe ich zwei Steine aufgenommen, Vater, zwei Felsbröckchen, und für dich, für mich, für Mama, für alle, Vater, habe ich sie auf einer der Stufen niedergelegt und gedacht, jeder Schritt, jeder Stein, jeder Widerstand, Vater, war und ist für immer.«

»Die Briefe, die nicht ankamen«, 2004 erstmals in deutscher Sprache veröffentlicht, sind eine bewegende Liebeserklärung Mauricio Rosencofs an seine Eltern und Ausdruck seiner unverbrüchlichen Verbundenheit mit den Verwandten, die in Polen von den Nazis ermordet wurden und deren Spuren für immer getilgt werden sollten. Das Buch ist der Zwillingsbruder des späteren Romans »Das Schweigen meines Vaters«. Beide gehören zusammen und greifen in immer neuen Variationen die großen Themen des uruguayischen Autors auf. Sie sind getragen von der Überzeugung, dass das Vergessen die vergangenen Verbrechen verewigt und nur die Erinnerung den Ermordeten eine Zuflucht bietet.

Das Buch ist ein Schreiben gegen das Vergessen, eine bewegende Liebeserklärung Mauricio Rosencofs an seine Eltern und Ausdruck seiner unverbrüchlichen Verbundenheit mit den Verwandten, die ermordet wurden und deren Spuren für immer getilgt werden sollten.
Theo Bruns, Schreiben gegen das Vergessen, hagalil, 28.10.2004