Beschreibung
Über ein Jahrzehnt stand das politische Projekt Rojava in Nord- und Ostsyrien für den Versuch, mitten im Krieg und unter ständigen Bedrohungen neue Formen von Demokratie, Selbstverwaltung und Geschlechtergerechtigkeit zu entwickeln. Angesichts des formalen Endes von Rojava im August 2026 stellt sich die Frage, was von diesen Erfahrungen und Errungenschaften bleibt – und welche Perspektiven sie für die Zukunft eröffnen.
Christopher Wimmer zeichnet in »Die Einsamkeit der Revolution« die jüngsten Entwicklungen in Rojava nach. Im Mittelpunkt stehen die Umbrüche seit dem Sturz Assads im Dezember 2024. Wimmer nimmt äußere Gegner ebenso in den Blick wie innere Probleme. Er beschreibt die Rolle der Türkei, die widersprüchliche Politik der USA und die fehlende Unterstützung durch die Bundesrepublik. Zugleich thematisiert er Zentralismus, eingeschränkte Teilhabe, Ungleichheit oder Korruption innerhalb der Selbstverwaltung. Auch die Solidaritätsbewegung steht auf dem Prüfstand: zwischen Unterstützung, Ignoranz und einer Romantisierung, die Widersprüche häufig verdeckte.
Dieses Buch erzählt aber nicht allein von Niederlage und Verlust. Es fragt danach, was von Rojava bleibt, auch wenn die politischen Strukturen verschwunden sind. Denn neue soziale Beziehungen und Erfahrungen kollektiver Selbstverwaltung lassen sich nicht einfach auslöschen.
