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Antifa-Initiative informierte über den Einsatz von Polizei- und VS-Spitzeln »Es macht keinen Spaß, sich mit der geballten »Niederträchtigkeit und Gemeinheit« dieser Leute zu beschäftigen, warnt Klaus Viehmann. Sie als »arme Schweine« einzustufen, sei noch zu wohlwollend; sie seien »weniger innerlich zerrissen, als man denkt«. Das vertrage sich auch gar nicht mit ihrer Tätigkeit: »Man kann nicht mit inneren Zweifeln jahrelang Spitzel sein«. Unter dem Motto »Schöner Leben ohne Spitzel« hatte die Antifaschistische Linke Berlin am Mittwoch abend ins »Kato« am Schlesischen Tor eingeladen. Neben Viehmann, dem Mitherausgeber des Buches »Spitzel - Eine kleine Sozialgeschichte«, war ein ehemaliger Aktivist aus Hamburg zu Gast, in dessen Gruppe »Hamburg umsonst« im November 2004 ein verdeckter Ermittler enttarnt worden war. Zahlreiche Geschichten aus den dunkelsten Ecken der »freiheitlichdemokratischen Gesellschaft« präsentierte Viehmann als erster Gastredner. Die Quintessenz: Jede Gruppierung, die der herrschenden Ordnung bedrohlich werden könnte, sei Ziel der »Staatsschützer«. Sie wird ohne Beachtung rechtsstaatlicher Prinzipien ausspioniert oder auch unterwandert und geradezu vom Verfassungsschutz gesteuert- man erinnert sich an das aus diesem Grund gescheiterte NPD-Verbotsverfahren. Die Redner betonten den Unterschied zwischen verdeckten Ermittlern und V-Leuten (»Spitzeln«): Verdeckte Ermittler sind Beamte, die mit einer falschen Identität, einer sogenannten »Legende«, ausgestattet und in Gruppen eingeschleust werden. Sie werden meist aufgrund einer Lücke in ihrer Legende enttarnt: Ihre Polizeiausbildung muss verheimlicht werden. Nach der Enttarnung verschwinden sie spurlos. So auch Christian Krumbeck, der im Zeitraum 2003/2004 in verschiedenen linken Hamburger Gruppen aktiv war und nach seiner zufälligen Entdeckung durch eine alte Bekannte von der Bildfläche verschwand – und wahrscheinlich früher oder später an anderem Ort erneut verdeckt ermitteln wird. V-Leute oder Spitzel dagegen werden unmittelbar dort angeworben, wo sie spionieren sollen. Sie sind daher schwieriger zu enttarnen. Es gibt jedoch Indizien – etwa ein auffälliges Interesse für Organisationsstrukturen, ein ungewohnt hohes Einkommen oder die Vermeidung engerer sozialer Beziehungen zu Menschen in ihren »Zielgruppen«. Sowohl verdeckte Ermittler als auch Spitzel müsse man ohne falsche Sentimentalität aufdecken – sonst setzten sie zum Schaden anderer ihre Tätigkeit fort, so Viehmann. Und nur wenn ein enttarnter Spitzel all seine Aktivitäten inklusive seines V-Mann-Führers vollständig offen lege, dürfe man weiter mit ihm kooperieren – andererseits müsse er weiter als V-Mann angesehen werden. Kein Wunder, dass Misstrauen immer wieder ein umstrittenes Thema des Abends war. Was ist die Schlussfolgerung – etwa generelles Misstrauen in linken Initiativen? »Hamburg umsonst« hat sich anders entschieden: Besser weitere Spitzeleien riskieren, als eine Schwächung der Bewegung durch Zweifel und Misstrauen zulassen. »Das wäre ja genau das, was die wollen.« (Junge Welt 13.10.06)
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