Das Rheinische JournalistInnenbüro hat mit dem hervorragend recherchierten Band ein Dokument von unschätzbarem Wert vorgelegt, in dem der 2. Weltkrieg aus der Sicht der Kolonialisierten betrachtet wird.
Markus Beinhauer, Graswurzelrevolution 302 mehr ...
This important book shows the history of the world war from the perspective of the colonised nations – nations whose war dead have still not been paid the respect they deserve.
Forgotten Chapter aus D + C mehr ...
Eine Lange Nacht über Afrika, Asien und Ozeanien im Zweiten Weltkrieg im Deutschlandfunk.
RJB aus dradio - Deutschlandfunk mehr ...
Die Dokumentation ist ein großartiger Beitrag zum Verständnis der Kolonialgeschichte Asiens und Afrikas.
Dieter Brauer aus E + Z mehr ...
... Umso verdienstvoller ist der vorliegende, vom Rheinischen JournalistInnenbüro zusammengestellte Band. Auf Grundlage aufwändiger Recherchen, Gesprächen mit Kriegsveteranen sowie der Auswertung der nicht eben üppigen Sekundärliteratur hat das Autorenkollektiv einen enorm wichtigen Beitrag zu einem vergessenen Aspekt des Zweiten Weltkriegs geleistet. Besonders hervorzuheben ist, dass einige Veteranen erstmals selbst zu Wort kommen und ihre oft traumatischen Erlebnisse, aber auch ihre Enttäuschung, Wut und Frustration über die ausgebliebene Anerkennung darlegen. ... Ein besonders interessantes Kapitel des Buches ist dem Nahen Osten gewidmet. Dort sympathisierten antikoloniale Bewegungen vielerorts mit den faschistischen Mächten und feierten etwa Rommels Siege in Nordafrika. ... Auch in Asien suchten und fanden die Nationalsozialisten Bündnispartner. 3000 Rekruten der besiegten "Indischen Legion" ließen sich 1944 in die Waffen-SS eingliedern und verübten Massaker an der französischen Zivilbevölkerung. Die Autoren des Buches machen kein Hehl daraus, wem ihre Sympathien gehören. Ihre Parteinahme für jene Menschen aus der "Dritten Welt", die während des Krieges als Arbeitssklaven, Zwangsprostituierte oder billiges Kanonenfutter herhalten mussten, wird durch das im Buch ausgebreitete umfangreiche, gleichermaßen erschütternde wie erhellende Material fundiert. Zudem vermeiden die Autoren, meistens jedenfalls, die Kolonialsoldaten und andere Kolonisierte lediglich als passive Opfer darzustellen, sondern zeigen auch deren - wenngleich oft extrem begrenzten - Handlungsmöglichkeiten. Angesichts der erwähnten Dürre auf dem Buchmarkt zu dieser Thematik hat "Unsere Opfer zählen nicht" das Zeug zu einem Grundlagenwerk, von dem sich hoffentlich viele für weitere Arbeiten inspirieren lassen.
Andreas Eckert Sklaven bekommen keinen Wein aus Frankfurter Rundschau
Der jetzt vorgelegte Sammelband „Unsere Opfer zählen nicht“ bricht mit diesen dominanten Erzählweisen. Auf der Basis umfassender Recherchen erzählt er die Geschichte des Zweiten Weltkriegs auf den Kriegsschauplätzen der Dritten Welt und aus der Sicht von KriegsteilnehmerInnen aus Lateinamerika, West- und Nordafrika, dem Nahen Osten, Südostasien und Ozeanien. Dabei wird vor allem eines deutlich: Es gibt keine Geschichte der Dritten Welt im Zweiten Weltkrieg. Eine Gemeinsamkeit der Geschichten besteht lediglich in der ihnen entgegengebrachten Ignoranz durch die etablierte westliche Geschichtsschreibung sowie im Rassismus der Weißen – unabhängig, ob sie mit oder gegen die Kolonialisierten kämpften oder ihnen als der Bevölkerung umkämpfter Gebiete begegneten. ... „Blanchissement“ („Weißmachen“), diesem Befehl Charles de Gaulles folgten nicht nur die französischen Truppen vor dem Einmarsch in Paris, in dem sie Kolonialsoldaten durch weiße Soldaten ersetzten, sondern auch die meisten weißen HistorikerInnen der vergangenen Jahrzehnte. Die Kolonien und ihre BewohnerInnen waren jedoch von Beginn an elementarer Bestandteil des Zweiten Weltkriegs. Sie lieferten kriegswichtige Rohstoffe und stellten Millionen Soldaten und ArbeiterInnen. Einige davon meldeten sich freiwillig, weil sie sich mit den faschistischen oder antifaschistischen Überzeugungen der Kriegsparteien identifizierten, andere aus finanziellen Erwägungen. Oft wurden sie jedoch unter Zwang rekrutiert. Nicht selten fanden sich Soldaten aus einem Herkunftsland auf Seiten beider Kriegsparteien. So ließen sich 3.000 Rekruten der besiegten "Indischen Legion" 1944 in die Waffen-SS eingliedern und verübten Massaker an der französischen Zivilbevölkerung, während die Soldaten der Royal Indian Army gegen die Nazis kämpften. Mit seinem Buch hat das Rheinische JournalistInnenbüro ein wichtiges deutschsprachiges Grundlagenwerk für eine multiperspektivische Erzählung der Geschichten des Zweiten Weltkriegs vorgelegt. Darüber hinaus stellen die AutorInnen die Geschichte der Dritten Welt nicht nur als eine Geschichte der Opfer dar, sondern berichten von den Handlungsspielräumen, welche die AkteurInnen etwa zu Widerstand oder Kollaboration nutzten. Und nicht zuletzt werfen sie die wichtige Frage auf, in welchem Verhältnis Kalter Krieg, antikoloniale Befreiungskämpfe und der Zweite Weltkrieg zueinander stehen.
Christian Geissler-Jagodzinski aus INKOTA-Rundbrief
Die Bezeichnung stimmt, die Darstellung nicht: Der Zweite Weltkrieg wurde zwar auf mehreren Schauplätzen dieser Erde ausgetragen, doch gedacht wird bis heute vor allem der Opfer der 'entwickelten' Welt. Was von Historikern, Medien und Publizisten im Norden offensichtlich versäumt wurde, hat nun eine Gruppe von Journalisten nachgeholt: die Aufarbeitung einer Vergangenheit, in der Millionen Menschen aus Afrika, Asien, Lateinamerika und Ozeanien als Soldaten, Zwangsarbeiter und Prostituierte missbraucht und getötet wurden. (...) Auf Seiten der Alliierten kamen Kolonialisierte auch als Schlepper, Informanten, Späher, Matrosen, Piloten, Dolmetscher, Köche, Fahrer und Sanitäter zum Einsatz. Wer weiß schon, dass Einheimische aus Neuguinea Australiens verwundete Soldaten versorgten und sie aus den Bergen zu den Feldlazaretten an der Küste führten. (...) Doch die Kölner Journalisten um Birgit Morgenrath und Karl Rössel zeigen auf, dass die Millionen Kolonialsoldaten alles andere als freiwillig in den Kampf zogen. Sie wurden weitgehend zwangsrekrutiert. Dass sie aufgrund ihrer Leistungen von vielen ihrer 'weißen' Kameraden geschätzt wurden und den Ausgang des Zweiten Weltkriegs entscheidend mitbestimmt haben, wurde ihnen dennoch nicht gedankt. Abgesehen davon, dass sie noch nicht einmal für das erlittene Leid, die Ausbeutung ihrer Rohstoffe und Zerstörung ihrer Heimatländer angemessen entschädigt oder gar mit der Unabhängigkeit belohnt wurden, hat man ihnen bis heute ihren Platz in der Geschichte verweigert. (...) Dies erklärt, warum im Verlauf der letzten 60 Jahre eine Literatur über den Zweiten Weltkrieg entstanden ist, die sich hauptsächlich mit den reichen Ländern des Nordens befasst. "Und die Opfer selbst", so Professor Kum'a Ndumbe III. an der Universität von Jaunde, "lesen und lernen die von den Zentren der Wohlhabenden veröffentlichte und weltweit verbreitete Literatur zur Geschichte des Zweiten Weltkriegs und erkennen ihre eigene Geschichte darin nicht wieder." Dabei standen allein für Großbritannien fünf Millionen Kolonisierte unter Waffen, und in China kamen während des Zweiten Weltkriegs mehr Menschen um als in Deutschland, Italien und Japan zusammen. (...) Während sich in den Ländern des Südens, die unverschuldet in die Mühlen der Kriegsmaschinerie des Zweiten Weltkriegs geraten sind, Bemühungen abzeichnen, die eigene Geschichte aufzuarbeiten, wird die Diskussion über die damaligen Ereignisse im Vorfeld des 8. Mai nach Ansicht von Rössel nach wie vor durch ein hohes Maß an Ignoranz und Eurozentrismus bestimmt. (...) Herausgekommen ist ein Werk, das mit ungeheurem Detailwissen besticht und die Rolle der Länder der so genannten Dritten Welt von möglichst vielen Seiten betrachtet. So widmet sich das Buch auch den Kollaborateuren unter den Ländern des Südens, die sich von einer Zusammenarbeit mit Hitlerdeutschland oder Japan ihre Befreiung von den Kolonialherren erhofften. Berichtet wird unter anderem von dem burmesischen Oppositionsführer Aung San, Vater der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, der mit Hilfe Japans gegen die Briten vorging. (...) Beleuchtet werden auch die Aktivitäten des ehemaligen Führers des palästinensischen Aufstands, Hadj Amin el-Husseini, der Araber und Muslime für die Achsenmächte zu mobilisieren versuchte. Dass der Mufti unter anderem dafür sorgte, dass bulgarische Juden in die Vernichtungslager in Polen deportiert wurden, wird von dem Kölner Journalistenkollektiv ebenso behandelt wie die Bereitschaft von etwa 3.000 Indern, sich 1944 in die Waffen-SS eingliedern zu lassen. Die indischen Rekruten beteiligten sich später an den Massakern gegen die französische Zivilbevölkerung. Auch die Bemühungen von Ländern des Südens, den in Europa bedrängten Juden, Linken und Widerstandskämpfern zu Hilfe zu kommen, kommen in 'Unsere Opfer zählen nicht' zur Sprache. Sie berichten etwa von dem mexikanischen Generalkonsul Bosques, der knapp zwei Jahre lang im Godesberger Rheinhotel Dreesen festgehalten wurde, bevor er nach Mexiko zurückkehren konnte. Er stellte den damals Verfolgten nicht nur Visa für Mexiko aus, sondern gab ihnen auch einen Teil ihres Selbstbewusstseins zurück. (...)
Karina Böckmann Vergangenheitsbewältigung eurozentriert aus IPS Dritte Welt Nachrichtenagentur
... Die AutorInnen zeigen die Vielschichtigkeit der »Dritten Welt« auf, in der es nicht nur Opfer der Weltkriege gibt und auch nicht nur Widerständler. Sie berichten über arabische Kollaborateure der Nazis, aber auch über arabische und jüdische Soldaten, die gemeinsam auf Seiten der Alliierten gekämpft haben. Sie schreiben vom Asyl für jüdische Flüchtlinge in Lateinamerika und für Nazis ein paar Jahre später in denselben Staaten. Es gibt ein Kapitel über die indische Legion der Nazis und eines über die Soldaten der Royal Indian Army, die gegen die Nazis kämpften. Es wird deutlich, dass die ethnisch-nationalistische deutsche Ideologie ebenso Anhänger bei den gerade entstehenden nationalen Befreiungen fand wie sie auf erbitterten Widerstand stieß. Die JournalistInnen des Rheinischen Büros zeigen mit diesem Buch, dass die Grenzen des Zweiten Weltkrieges von der bisherigen Geschichtsschreibung in vielerlei Hinsicht zu eng gesteckt werden. Der Krieg war zum einen wirklich ein Weltkrieg, der Opfer auch in Uruguay und Madagaskar forderte – und in China mehr als auf Seiten der Achsenmächte zusammen. Zum anderen greifen auch die sechs Jahre 1939 bis 1945 zu kurz: »In Afrika begann der Zweite Weltkrieg 1935 mit dem Einmarsch der Italiener in Äthiopien. 1937 hatte Japan neben Korea bereits die Mandschurei besetzt und dehnte seinen Krieg gegen China nach Süden aus.« Und »nach« dem Krieg war vielerorts vor dem Krieg. Am 8. Mai 1945, dem Tag der Befreiung, massakrierten französische Truppen »zehntausende Demonstranten, die für die Unabhängigkeit des Landes demonstrierten.« Auch in Vietnam und auf den Philippinen ging der Krieg nahtlos in den antikolonialen Befreiungskampf über, in China in den Bürgerkrieg, an dessen Ende der Sieg der revolutionären Volksarmee Mao Tsetungs stand. Einige bekannte Autoren (wie Frantz Fanon für Nordafrika) und weniger bekannte Autoren (wie Ko Tim-Keung für Hongkong) haben zwar schon vor vielen Jahren benannt, wie sehr auch die Länder der Dritten Welt direkt oder indirekt vom Zweiten Weltkrieg betroffen waren. Aber in seiner ausführlichen und umfassenden Darstellung dürfte »Unsere Opfer zählen nicht« ein einzigartiges Werk darstellen. Rechtzeitig zu den Gedenkfeiern am 8. Mai erschienen, ist es ein gewichtiges Gegenstück zu jenen Diskursen, in denen Deutsche sich als Opfer darstellen. ... Die vollständige Rezension findet sich in der Printversion der xxxwww.iz3w.org/iz3w/index.htmlxxxiz3w ...xxx
Stephan Günther Die Bauernopfer der Großmeister aus iz3w
Eine besondere Qualität bekommt das Buch dadurch, dass die AutorInnen ihren Schwerpunkt auf die Auswertung von Interviews und Zeugnissen von AugenzeugInnen und WissenschaftlerInnen aus den beteiligten Ländern legen und somit dem Anspruch einer Geschichtsschreibung »von unten« aus der Perspektive der Kolonialisierten selbst genügen.
Jessica Zeller Jenseits von Europa aus jungle world 19/2005 mehr ...
Die Kolonien Frankreichs und Großbritanniens gehörten zwar nominell zu den alliierten Siegermächten, doch sie waren keine Gewinner des Zweiten Weltkrieges. Den kolonisierten Ländern wurde nicht nur die Freiheit nach dem Krieg zunächst vorenthalten, sie mussten während des Krieges kriegswichtige Rohstoffe abgeben und Millionen Soldaten und Zwangsarbeiter für die alliierten Streitkräfte stellen. Der Krieg forderte zudem in der Dritten Welt Millionen Opfer – in China beispielsweise starben mehr Menschen als in den Ländern der faschistischen Achsenmächte zusammen. Diesen humanen und wirtschaftlichen Kosten stellt das Buch einen Verdienst gegenüber: Ohne den Beitrag der Kolonialisierten – daran lässt es keinen Zweifel – hätte der Zweite Weltkrieg einen anderen Verlauf genommen und die Befreiung der Welt von Nationalsozialismus, Faschismus und japanischem Großmachtwahn wäre schwieriger und langwieriger geworden. Dieser Verdienst wiederum hat bis heute keine gebührende Anerkennung gefunden, weder in der Politik noch in der Geschichtsschreibung – von Entschädigungen und Reparationen, vor allem von Seiten Deutschlands, Japans und Italiens, ganz zu schweigen. Diesem Versäumnis bereitet diese Geschichte der Dritten Welt im Zweiten Weltkrieg aus der Perspektive der Kolonialisierten in eindrucksvoller Weise Abhilfe: Erstens wagt es sich trotz mangelnder wissenschaftlicher Forschung an ein Überblickswerk, das sowohl die großen nachhaltigen politischen Themen wie die Zwangsprostitution für Japan als auch die Schicksale normaler Menschen, also die Geschichte „von unten“, einfängt. Zweitens wird nicht nur die Kriegsgeschichte großer Länder wie Brasilien, Indien oder China erzählt, sondern das Buch stößt selbst in abgelegene Gebiete wie Mikronesien vor. Drittens widersteht das Buch der Schwarz-Weiß-Malerei, das in den „Opfern“ nur diskriminierte und ausgebeutete, somit zu bedauernde Objekte erblickt. Trotz der „Opfer-Perspektive“ wird schnell klar, dass „Opfer-Sein“ Unterschiedliches bedeutete und dass es neben den Opfern viele Handelnde und auch eine große Menge von „Tätern“ im normativ negativen Sinne gab. Das Buch leistet keiner Viktimisierung von Politik Vorschub, sondern zeigt Zusammenhänge zwischen Kollaboration und autoritären Nachkriegsregimen in der Dritten Welt auf. Und es lässt keinen Zweifel daran, dass die Unrechtmäßigkeiten der Alliierten innerhalb eines rechtmäßigen Krieges geschahen. Schließlich besticht die ansprechende Mischung aus Ereignisgeschichte, Erinnerungen von Zeitzeugen, Alltagsgeschichte, Illustrationen und Dokumenten. In seiner Aufmachung ähnelt das Buch einem Ausstellungskatalog. Mitten im Gedenkmarathon zum 60. Jahrestag des Kriegsendes hat sich ein neues Feld aufgetan, das weitergehende, spezifische wissenschaftliche Studien nach sich ziehen wird.
Jörg Später aus konkret
Ein E-Mail-Interview von Simon Inou mit Karl Rössel.
Simon Inou Wie Nicht-Europäer Europa befreiten aus M-Media mehr ...
Die Autorinnen und Autoren des Rheinischen JournalistInnenbüros zeigen, dass der Zweite Weltkrieg genauso ein afrikanischer, asiatischer oder lateinamerikanischer Krieg war wie ein europäischer. Sie haben den Anspruch, ein antirassistisches, geschlechtersensibles Buch zu schreiben. Ersteres gelingt unter Vorlage einer Unmenge neuer, unbekannter Quellen und Fotos, denn es ist ein aufwändig und schön gemachtes Buch geworden. Letzteres – ein geschlechtersensibles Buch zu schreiben – scheitert, aus Frauenperspektive betrachtet. ... Wenn man den Krieg aus der Perspektive der Kämpfenden, also der regulären Truppen und dem Widerstand schildert, dann rücken Frauen leicht in den Hintergrund. Das geschieht hier: Wo Kämpfende Kämpferinnen sind (z. B. im philippinischen, antijapanischen Widerstand) werden weibliche Aspekte nicht gesondert gewürdigt. Wo die Zivilbevölkerung hungert, werden Frauen und Kinder nicht besonders herausgestellt, obwohl wir wissen, dass sie immer besonders betroffen sind, vor allem aufgrund ihrer Verantwortung für Kinder und Alte. Wo junge Leute in die Zwangsarbeit verschleppt werden, wird die Problematik für Frauen nicht gesondert aufgeschlüsselt. Seit vier Jahren gibt es die UN-Resolution 1325 zu Frauen im Krieg und in bewaffneten Konflikten. Spätestens seit ihrer Verabschiedung können die spezifischen Rollen und Positionen von Frauen in bewaffneten Konflikten nicht mehr ignoriert werden. Hinsichtlich der, wie wir heute wissen, weltweit verbreiteten Gewalt gegen Frauen im Krieg ist das Buch mit Ausnahme des Asienteiles blind für die Gewalterfahrungen von Frauen. Im asiatischen Teil kommt Gewalt gegen Frauen als offensichtlich herausragender Bestandteil der japanischen Kriegsführung zwar vor, jedoch entspricht die Darstellung nicht dem Stand der Forschung. ... Fazit1: Wir brauchen dringend einen weiteren Band! Auf „Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“ muss folgen: „Unsere Opfer zählen nicht. Frauen im Zweiten Weltkrieg.“ Fazit 2: Für die antirassistische Aufarbeitung reichen 60 Jahre. Für die feministische Aufarbeitung offensichtlich nicht. JournalistInnenbüro, übernehmen Sie!!
Astrid Lipinsky aus Menschenrechte für die Frau
Wo blieben eigentlich zum 60. Jahrestag der Beendigung des Zweiten Weltkrieges die großen Beiträge der deutschen Historiker, die sich mit außereuropäischer Geschichte bzw. mit Kolonialgeschichte befassen? ... Ein Gesamtüberblick über die Rolle Außereuropas während des Zweiten Weltkrieges fehlte bisher. Dies zu tun, gelang nun dem Rheinischen JournalistInnenbüro aus Köln ... Die Autoren präsentieren eine Fülle an Details und an zum Teil hierzulande kaum bekannten und erschreckenden Fakten. ... »Unsere Opfer zählen nicht« ist eine Pioniertat für den deutschen Sprachraum und eine gelungene Überblicksdarstellung der (Vor- und Nach-)Kriegsereignisse aus einem außereuropäischen Blickwinkel. Es ist zudem ein gut leserliches, informatives und didaktisch ausgezeichnet ausgearbeitetes Buch, das seine Stärke besonders dann entfaltet, wenn Augenzeugen von den Schrecknissen des Krieges in Außereuropa erzählen. Dieses Grundlagenwerk wird jedem zur Lektüre empfohlen.
Dirk Sasse aus Militärgeschichtliche Zeitschrift
Die vielfältigen Perspektiven dieses Buchs machen die Dimension des Welt-Kriegs bewusst.
Johann Kneihs Rekruten aus den Kolonien aus ORF-Highlights mehr ...
Räumlich wie zeitlich, so macht die umfangreiche Dokumentation mit ihren zahlreichen Berichten von Augenzeugen deutlich, ist die hiesige Geschichtsschreibung bis heute "eurozentrisch".
Goetz Nordbruch Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg aus qantara.de mehr ...
Dieses von Birgit Morgenrath und Karl Rössel redigierte Sammelwerk einer Gruppe von Journalisten und Dritte-Welt-Experten ist ein großartiger Vorgriff auf die künftig zu schreibende globale Sozialgeschichte des zweiten Weltkriegs aus der Perspektive von unten. Es bricht mit dem methodologischen Eurozentrismus und datiert den Beginn des zweiten Weltkriegs völlig zu Recht schon auf das Jahr 1935. Es erschließt die neuesten historischen Forschungen und einen Teil der nirgends registrierten Publizistik der Peripherie, die nur vor Ort lokalisiert werden kann. Und es dokumentiert die kollektive Anstrengung einer engagierten Arbeitsgruppe, die, weitgehend auf sich allein gestellt, immer wieder neu ansetzte und mit ihrem Ergebnis die zumeist wohldotierten Projekte der historisierenden Fachwelt in jeder Hinsicht beschämen muss. Im Zentrum der auch fotografisch hervorragend ausgestatteten Edition stehen die damaligen Akteure der Peripherie, die Kolonialsoldaten und indigenen Widerstandskämpfer gegen die Achsenmächte. ... Das Buch dokumentiert auch das Dilemma, das sich bei den Kolonisierten immer wieder in der Alternative zwischen der Kollaboration mit den Achsenmächten und dem Widerstand auf der Seite der Alliierten auftat. Denn auch auf der Seite der Alliierten waren Zwangsrekrutierungen und die Mobilisierung zur Zwangsarbeit gängige Praxis, wenn auch die genozidale Radikalität der Deutschen, Italiener und Japaner fehlte. Ihr Rassismus endete erst im gemeinsamen Überleben und Sterben im Schützengraben. An den Fronten des zweiten Weltkriegs wurden die antikolonialen Befreiungsbewegungen geboren, nachdem auch die indischen, afrikanischen, afro-amerikanischen und südostasiatischen Kolonialsoldaten Weiße getötet oder gefangen genommen hatten.
Karl Heinz Roth aus Sozial.Geschichte
In Geschichtsbüchern ist von ihnen kaum die Rede, in den zahlreichen Fernsehsendungen über den Zweiten Weltkrieg kommen sie nicht vor: die Soldaten, Piloten, Lastenträger, Küstenwächter, Funker und Kundschafter aus den ehemaligen Kolonien. Sie kämpften auf Seiten der Alliierten, zum Teil aber auch in den Armeen Deutschlands, Italiens und Japans. Wenig beachtet sind auch die zivilen Opfer in vielen Regionen der Dritten Welt oder die Zerstörung von Städten durch Bombenangriffe. ... [In einem] zehnjährigen Rechercheprojekt ... haben die zwölf Autoren Mitglieder von Veteranenverbänden und andere Zeitzeugen interviewt, Schlachtfelder besucht und in Archiven geforscht. [Sie] kommen zu dem Schluss: "Ohne den Beitrag der Kolonialsoldaten hätte der Zweite Weltkrieg einen anderen Verlauf genommen, und die Befreiung der Welt vom deutschen und italienischen Faschismus sowie vom japanischen Großmachtwahn wäre noch schwieriger und langwieriger gewesen." Die Soldaten aus den damaligen Kolonien waren keine ebenbürtigen "Kamaraden" ihrer weißen Mitkämpfer, weder in der Militärhierarchie, in der Kleidung, in der Verpflegung und Besoldung noch in der Unterbringung. Die Ungleichbehandlung setzte sich auch nach dem Krieg fort: Veteranen erzählen, wie sie in ihr Land zurückkehrten und mit einer kleinen Abfindung abgespeist worden seien. ... Das journalistisch gehaltene und engagiert geschriebene Buch ... bietet einen profunden Überblick zu diesem vernachlässigten Kapitel der Weltgeschichte.
Anke Schwarzer Vergessen, verdrängt ... aus Süddeutsche Zeitung
Dies ist ein großartiges Buch - und ein längst überfälliges dazu, da es einem auf jeder Seite die Unzulänglichkeit unseres eurozentrischen Geschichtsbildes bewusst macht. Die von einem Autorenkollektiv vorgelegten Recherchen arbeiten den Zweiten Weltkrieg in einer wirklich globalen Perspektive auf, eines der ersten Male überhaupt. Der leicht lesbare Band gibt den vielen Millionen Menschen in Afrika, Asien und Ozeanien, aber auch im Nahen Osten und Lateinamerika eine Stimme, die in den „Gesamtdarstellungen“ der westlichen Historiker oft gar nicht oder bestenfalls am Rande vorkommen. ... Für ihr Projekt haben die Autoren in 30 Ländern recherchiert ... Der planetarisch ausgeweitete Blick fördert ungewohnte Einsichten zu Tage, die zu einer adäquateren Einschätzung dieses beispiellosen Gewaltereignisses beitragen. ... Dafür, dass die verborgenen Gesichter des Zweiten Weltkrieges in ein künftiges Weltgedächtnis Eingang finden können, leistet dieses Buch exzellente Pionierarbeit.
Aram Mattioli Die verborgenen Gesichter des 2. Wk. aus Tages-Anzeiger/Zürich
Ein Buch, das als Standardwerk gelten darf und zu Recht auch mehrfach ausgezeichnet wurde ... Dass die AutorInnen die Kolonialisierten nicht nur als Opfer wahrnehmen, ist eine Stärke ihrer faktenreichen und differenzierten Schilderung.
Pit Wuhrer aus WoZ mehr ...

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