Lutz Taufer hat in den Extremkonstellationen der linksradikalen Geschichte agiert, und da er darüber ohne jede Beschönigung und in uneingeschränkter Konfrontation mit den begangenen Fehlern schreibt und nachdenkt, wird sein Buch tatsächlich zu einem Schlüsselwerk der 1960er bis 1980er Jahre. Die Lektüre tut weh, denn sie blendet nichts aus: weder die maßlose Überschreitung der Grenzen der Gewalt, durch die der emanzipatorische Anspruch zerstört wurde, noch die Maßlosigkeit eines Repressionsapparats und Gefängnissystems, die heute kaum jemand noch wahrhaben möchte. Auch darüber schreibt Taufer in einer Dichte, wie ich sie bisher nicht gelesen habe. Was für ein Glück für ihn, dass er sich nach seiner Freilassung auf den Weg nach Uruguay und dann in die brasilianischen Favelas machte, wo er an der Seite der Namenlosen und Armen agiert hat. Und ein Glück für den Leser dazu, denn auch die Brasilien-Kapitel sind hochinformativ, beschönigen nichts und beweisen eine enorme Beobachtungsgabe und Erinnerungsfähigkeit. Insgesamt übertrifft seine Lebensskizze an Genauigkeit und selbstkritischer Reflexion alles, was ich aus diesem Spektrum bisher gelesen habe – nur aus Italien und Lateinamerika gibt es Gleichrangiges.
Karl Heinz Roth, Historiker
Taufer wendet sich gegen die »einfache Negation« der Verhältnisse und die »Verletzung ethischer Grenzen«. Es geht ihm um Projekte sozialer Basisorganisierung.
Oliver Rast, jw, 13.7.2017 mehr ...
"Jede Grenzüberschreitung muss die bessere zukünftige Gesellschaft abbilden, reflektieren oder ihr zumindest nicht widersprechen."
Lutz Taufer im Gespräch mit Maike Albath, DLR Kultur, Lesart mehr ...
Lutz Taufer saß als RAF-Terrorist 20 Jahre in Isolationshaft. In seinem Buch beschönigt er nichts. Und bleibt sich trotzdem treu – in den Favelas.
Michael Angele, Gewalt und Charakter, der Freitag, 23.7.2017 mehr ...
Taufer schildert seinen Weg in die APO und zum bewaffneten Kampf so, dass wohl auch die, die damals noch nicht auf der Welt waren, eine Ahnung davon bekommen können, wie ein Radikalisierungsprozess Ende der 60er-, Anfang der 70er-Jahre verlief. ... Taufer macht seine außergewöhnliche Lebensgeschichte plausibel.
Arno Widmann, Frankfurter Rundschau mehr ...
Was die Lektüre lohnt, sind gerade die nicht geglätteten Spuren der Montage von Text- und Denkbewegungen, die rückversichernden Einschübe eigener Briefe und Statements, die losen Fäden des erinnernden Erzählens.
Ulrich Kriest, konkret, 9/2017
„Stockholm lag völlig quer zu jedem emanzipatorischen Anspruch“: Lutz Taufer über seine politische Sozialisation, die Mitgliedschaft in der »Roten Armee Fraktion« (RAF) und die Arbeit in einer Favela in Rio de Janeiro.
Interview Kerlen Vesper mit Lutz Taufer, ND mehr ...
Ich bin Lutz Taufer dankbar für dieses Buch, das Mut macht zum Überschreiten von Grenzen, aber auch Grenzen benennt, die nicht überschritten werden dürfen – auch nicht im Namen hehrer Ziele. Mut macht es aber auch in einer anderen Hinsicht. "Eine der Tragödien des Gefängnislebens liegt darin, dass es das Herz eines Mannes zu Stein macht", schrieb Oscar Wilde nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis. Lutz Taufer liefert den lebenden Beweis, dass das nicht unbedingt so sein muss.
Götz Eisenberg: Vom bewaffneten Kampf zur Strategie des Glücks mehr ...
Lutz Taufers Buch sticht hervor als eine notwendige Korrektur der herrschenden Meinung. Denn dem Autor gelingt es, gut und einfühlsam geschrieben, anhand seiner eigenen Biografie die Vorbedingungen des Entstehens der RAF im Nachkriegsdeutschland zu porträtieren ... Gut und notwendig ist Taufers Darstellung der Gefangenschaft ... Die Beschreibung der zerstörerischen Wirkung dieser Haftpraxis in der ersten Person ist neben der Beschreibung der Hungerstreikerfahrungen der Höhepunkt des Buches und eine notwendige Ergänzung für den bundesdeutschen Geschichtsunterricht.
Roman Herzog, SWR2 Die Buchkritik, Lesenswert mehr ...
Nur selten begegnet man einem Buch, das man den Kindern, Freunden und Bekannten in die Hand drücken will mit den Worten: »Lies das! Unbedingt!« Lutz Taufers Buch ist ein solcher Glücksfall. ... Lutz Taufer erinnert sich unprätentiös, konsequent in der ersten Person und lässt nie Zweifel an seiner auch lückenhaften Subjektivität, und das macht dieses Buch so besonders. Wie ein Schriftsteller die Welt erklären kann, wenn er ausschließlich von seinem Dorf erzählt, verdeutlicht er so vieles, was uns noch heute bewegt.
Michael Kegler, Ein konsequenter Lebensweg, ND, 10.10.2017 mehr ...
Im Klappentext des Buches heißt es, es sei ein „herausragendes Dokument der Zeitgeschichte“. Das ist es zweifellos, denn wer die „andere Geschichte“ der Bundesrepublik Deutschland kennenlernen möchte, wird an diesem Buch nicht vorbeikommen. Aber es ist auch ein beeindruckendes persönliches Dokument eines lebenslang Suchenden, der es sich und anderen niemals leicht gemacht und sich und sein Handeln immer wieder in Frage gestellt hat.
Gert Eisenbürger, ila 409, Okt. 2017 mehr ...
Sein Buch ist weit mehr als eine Autobiografie: ein wichtiger Beitrag zur Geschichte der radikalen Linken seit 1968.
Jens Renner, ak 631
Wer die Beweggründe der radikalen 68er kennenlernen will, kommt an diesem Buch nicht vorbei. Taufer findet klare, schnörkellose Worte, was die Eindringlichkeit seiner Geschichte nur verstärkt. Er beschreibt Situationen, Leute und Gedankengänge meist so, wie sie damals waren, weniger aus heutiger Sicht. Das macht sein Handeln und das seiner Generation verstehbar.
Christian Stock, iz3w, Nr. 364 mehr ...


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