Weit mehr als ein paar gesammelte Aufsätze, nämlich eine politische Herausforderung, die richtigen Fragen zu stellen und Antworten dort offen zu lassen, wo nach wie vor Ratlosigkeit herrscht.
Ingo Stützle Blau machen aus ak 535 mehr ...
Die Gruppe Blauer Montag hingegen ist hinsichtlich der Rede von immaterieller Arbeit sehr skeptisch. Der Postfordismus sei keineswegs flächendeckend durchgesetzt und vor allem nicht ohne Brüche denkbar: Die Abschaffung der Zeiterfassung gehe durchaus mit einer "Re-Aktualisierung fordistischer Herrschaftstechniken" wie der Verschärfung von Kontrollmechanismen einher. Stets an politischer Praxis orientiert, bieten die über die letzten fünfzehn Jahre gesammelten Beiträge der Gruppe einen guten Einblick in die linksradikalen Debatten um die Arbeit zwischen Produktivitätszwang und Prekarisierung.
Jens Kastner aus Bildpunkt
Die Gruppe hat ihren Ursprung in den Jobber- und Erwerbsloseninitiativen der 1980er-Jahre. Sie zählt zu den wenigen organisierten Gruppen der autonomen Linken, die die "soziale Frage" schon früh und dann kontinuierlich zu ihrem zentralen Thema gemacht hat. ... Das vom Blauen Montag bearbeitete Debattenfeld zwischen Autonomen und linken GewerkschafterInnen ist relativ klein, und es läuft immer wieder Gefahr zwischen den Lagern zerrieben zu werden. Umso wichtiger ist ihr Einspruch gegen Prekarisierung, Zwangsflexibilisierung und autoritären Sozialstaat und ihr Plädoyer für einen genauen Blick auf den Umbau der Herrschaftsverhältnisse in Betrieb und Stadtteil.
Bernd Hüttner Beiträge zur Konfliktualität des Sozialen aus Contraste
Selten gibt es in Buchform eine solch offene Darlegung des Arbeitsprozesses, in dem Positionen entworfen, in Bezug zu anderen Diskussionen gesetzt werden und schließlich auch noch »Jahre danach« darüber nachgedacht wird.
Wolfgang Völker Normalzustand Prekarisierung aus express 3/2009
In Organisationen wie diesen, die eine über Jahrzehnte geführte Debatte reflektieren und dennoch keinen Abstand von einer linken Alltagspraxis nehmen, überwintert die Revolution.
Torsten Bewernitz Another brick in the wall aus GWR 342 mehr ...
Lange bevor der Begriff Prekariat auf den Wirtschaftsseiten großer Zeitungen zu finden war, untersuchte der Blaue Montag die prekären Arbeits- und Lebensbedingungen. Ein Jahrzehnt bevor der Begriff Hartz IV die Runde machte, hat sich die Gruppe mit der zunehmenden Disziplinierung von Erwerbslosen befasst. Der Blaue Montag scheut auch keine innerlinken Auseinandersetzungen. So kritisiert die Gruppe, die Auseinandersetzung mit den eigenen Arbeitsverhältnissen lasse in der Linken noch immer zu wünschen übrig. Die Beschäftigung mit prekären Arbeitsverhältnissen bleibe oberflächlich, wenn man sich dabei nur auf die Ränder der Arbeitswelt stützt. Prekäre Arbeitsverhältnisse haben schon längst auch bei den Kernbelegschaften Einzug gehalten, schreiben die Autoren und nennen Beispiele aus verschiedenen Branchen. Auch mit dem Existenzgeld hat sich der Blaue Montag schon in den 80er Jahren befasst. Dass die Forderung heute in aller Munde ist und selbst in Unionskreisen auf Unterstützer trifft, wird von den Autoren kritisch betrachtet. So heißt es über die Existenzgeldforderung: „Verblüffenderweise ist sie heute auf dem Papier viel unumstrittener als in den 80er Jahren. Das ist nur erklärbar über eine Änderung des – gedachten – Inhalts. Reduziert auf eine Geldforderung an den Staat werden all die weiterreichenden Vorstellungen einer Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ausgeblendet.“ Eine ähnliche Metamorphose stellen die Autoren bei der Forderung nach Arbeitszeitverkürzung fest, die heute oft nur noch auf eine Verfügbarkeit der Arbeitskräfte nach der aktuellen Auftragslage des Betriebes verkommt. Die Autoren betonen, dass solche Forderungen nicht am grünen Tisch durchgesetzt werden können, sondern das Ergebnis von Kämpfen im Betrieb und im Jobcenter sind. Das Buch mit seiner Dokumentation einer 20-jährigen sozialpolitischen Theorie und Praxis kann Hilfestellung bei der Organisierung dieser Kämpfe und nützliche Anregungen für die Debatte zwischen Gewerkschaftslinken, Erwerbslosengruppen und außerparlamentarischen Initiativen bieten.
Peter Nowak 20 Jahre Debatte in Buchform aus ND
Die Gruppe [ist] ein durchaus beachtlicher Zusammenhang in den nicht selten von Diskontinuität geprägten linken Zirkeln und Arbeitsgruppen in und außerhalb von Organisationen und sozialen Bewegungen. Die Herkunft aus dem »organisierten linksradikalen Flügel der Erwerbslosenbewegung in Hamburg« prägt dabei die Richtung der Diskussionen. ... Im Fokus steht nicht die kritische Analyse als Selbstzweck, sondern die »Perspektive des Widerstandes, des Konfliktes, der individuellen Alltagswiderständigkeit wie auch der organisierten sozialen Bewegung«. Es wird auf eher sympathische Weise auf einen akademischen Gestus verzichtet, vielmehr ist der Band Ausdruck einer Selbstorganisation von Wissen und Interpretation des eigenen sozialen Umfelds. ... Die den einzelnen Blöcken vorangestellten Texte zeigen die Fähigkeit der AutorInnen, die eigenen Diskussionen quasi von außen und von heute einzuordnen, ihre Schwächen bzw. Brüche zu reflektieren. Nicht nur angesichts der vom Internet weiter beschleunigten Textproduktion ist eine solche Wieder- und Neubetrachtung sinnvoll. Sie erleichtert auch die Rezeption für LeserInnen, die die beschriebenen Diskussionen nicht oder nur in Bruchstücken verfolgt haben. ... Die Distanz sowohl zu linken Parteien als auch zu Gewerkschaften erscheint aus der vorliegenden Argumentation zwar wohl begründet, ihr liegen bei näherer Betrachtung aber auch nicht selten pauschale Urteile zugrunde, ... die die Vielgestaltigkeit der organisierten Arbeiterbewegung nicht zum Zuge kommen lässt. ... Darüber hinaus wird die »Neuzusammensetzung und Neudefinition der Linken«, als deren Teil sich auch der Blaue Montag versteht, so gut wie gar nicht auf die gleichnamige Partei bezogen, deren fast völlige Nicht-Erwähnung wiederum Bände spricht. ... Die Distanz des Blauen Montags zur Lohnarbeit stellt sich anscheinend erkenntnispraktisch zum Teil vor die Wahrnehmung ihres hohen gesamtgesellschaftlichen Stellenwerts. Der enge Zusammenhang zwischen der eigenen Lebenspraxis und den Analyseergebnissen erweist sich damit wieder einmal als grundlegend. Doch trotz der erwähnten Kritikpunkte bietet der Band gut brauchbares Material für andere, thematisch ähnlich ausgerichtete linke Diskussionsgruppen. Anregungen enthält er nicht zuletzt für GewerkschafterInnen, die sich bemühen, Prekarisierte und Erwerbslose zu organisieren, und die hier mögliche Vorbehalte ihnen gegenüber formuliert finden, denen es standzuhalten gilt.
Marion Fisch aus Sozialismus 7-8/2009
Skeptiker der Ausrufung "neuer Paradigmata", etwa "in den Debatten um das Modell Toyota, um Postfordismus und immaterielle Arbeit", finden hier Argumentationsfutter zur Genüge.
Christiane Müller-Lobeck Faule Kollegen und Einzelheinz-Ultras aus taz mehr ...