Gaby Küppers Grenzgängerbeatz aus ila mehr ...
»Genzgängerbeatz« ist bbbeine rundherum formidabel gelungene Sammlung/BBB, die Lust auf noch viel mehr macht.
André Dahlmeyer Neueste Schurkenliteratur aus junge welt mehr ...
Zelik, zu deutsch: Stahl, ist 33, trotz erster silbriger Haare wirkt er jugendlich. In Berlin lebt er seit dreizehn Jahren, wo er Politik studiert hat und nebenbei die sozialen Verhältnisse vor Ort. Schon als Junge, sagt er, wurde er von einer unbestimmten Sehnsucht getrieben, einer Sehnsucht nach Vagabundentum und ewiger Suche, danach, nicht nur die Welt, sondern auch sich selbst zu verändern. Und immer war da schon das Bild des Dichters in der Revolte – eines Künstlers also, der an die Gefährlichkeit seiner Ideen glaubt. Das ist ungewöhnlich in der so genannten Popliteratur. Hier geben bislang Autoren den Ton an, deren Schriften oft genau so belanglos wirken wie die Etiketten ihrer Pullover, und die sich in ihren Texten dabei zuschauen, wie sie in der Wanne plätschern ... Zelik wählt einen anderen Weg. Statt mit seinem Spiegelbild zu kokettieren, öffnet er lieber Türen. Wo ist Heimat? Raus hier - Literatur als Fluchtweg, um die eigene Identität in Frage zu stellen und Grenzen zu erweitern. ... Vor kurzem kam das dritte Buch von Raul Zelik heraus, eine Sammlung von Erzählungen mit dem Titel “Grenzgängerbeatz”. Die Stories handeln von verzweifelten Schmugglern, türkischen Mädchenbanden, herzzerreißend schmalbrüstigen Schuldeneintreibern und einsamen Weltreisenden, die für einen Moment vergessen haben, warum sie überhaupt unterwegs sind. Die Stimme, die sich hinter den Erzählungen verbirgt, schlägt sich auf die Seite der Verlierer - ganz gleich ob es sich um einen angehenden Zoowärter in Surinam oder einen ahnungslosen Polizisten in Berlin handelt. Und die Grenzen, um die es hier geht, sind schwer zu fassen. Es sind die meist unsichtbaren Grenzen zwischen Legalität und Illegalität, zwischen günstigen und verpassten Gelegenheiten, zwischen Alltags- und Traumbildern. Raul Zelik erzählt schnell und direkt. Sein Ton ist rau, flapsig, übermütig; der Stil weniger literarisch als cineastisch. Dabei unterlaufen ihm sprachliche Ungenauigkeiten, die manchem seiner Kollegen nicht passieren würden. Doch immerhin gelingt es ihm, das Spektrum der Gegenwartsliteratur um einen neuen Sound zu erweitern. Und wo die einen, sprachlich perfekt, um das Nichts kreisen, fängt er Geschichten über soziale Konflikte ein, die sonst kaum jemand erzählen würde. Mit etwas Glück könnte Zelik so etwas wie der Manu Chao der deutschen Popliteratur werden. Doch vermutlich müsste er sich dazu ein anderes Image zulegen. Während sich die Popliteraten bevorzugt als Stars inszenieren lassen, zeigt der Umschlag von Zeliks neuem Buch eine Weltkarte, auf der der Atlantik von einer Kartoffel überdeckt wird. “In einigen Ländern”, sagt Zelik, “bezeichnet man die Deutschen abschätzig als Kartoffel. Das bin also ich auf Reisen.”
Wolfgang Farkas Kartoffel unterwegs aus Süddeutsche Zeitung
Ulrich Noller Interview mit Raul Zelik aus taz mehr ...
Was erlebt ein hannoveranischer Zoo-Anwärter in einer surinamesischen Flughafen-Warteschleife und was eine südbalkanische Gemüsehändlerin, die sich mitleidig der unverkaufbaren Hehlerware eines Junkies annimmt? Wie ergeht es einem baskischen Choleriker bei seiner Auto-Suche in Valencia und wie einem allemanischen Warmduscher bei einem kolumbianischen Arbeiterkampf? Raul Zelik erzählt in seinem neusten Buch "Grenzgängerbeatz" von solchen Leuten und Begebenheiten. Nach seinem Debüt "Friss und stirb trotzdem" (1997) und dem darauf folgenden Roman "La Negra" (2000) hat Zelik jetzt elf Geschichten über Menschen veröffentlicht, die Demarkationslinien überschreiten.Der gebürtige Münchner stellt in seinen Erzählungen angenehm menschliche und unheldische Figuren ins Rampenlicht - keine Heroen und Heroinen. Seine ProtagonistInnen reißen im falschen Moment den Mund auf und laufen im richtigen sehr schnell, sie langweilen oder ängstigen sich. Der Autor thematisiert das alltägliche Fremde respektive die fremde Alltäglichkeit.Menschen mit gemischt-kultureller Identität kämpfen sich, beizeiten im wahrsten Sinne des Wortes, durch die Tücken des Lebens, beziehungsweise Menschen mit einfachem kulturellen Hintergrund durch die Tücken eines ungewohnten kulturellen Alltages. Entsprechend lesen sich Zeliks Geschichten, wie sich Fernsehfilme im Zweikanalton anhören. Unterstützend wirkt hierbei seine bildhafte Erzählweise: Zelik psychologisiert nicht, er visualisiert. Der Autor gibt den Figuren, Dingen und Umständen eine Form, eine Farbe oder einen Geruch, nicht ein inneres Wesen. Das macht seine Geschichten zu kleinen Filmen. Wer sich darauf einlässt, steht plötzlich in Managua und atmet den Staub. Die Verzweiflung eines Vagabundierenden oder gar Flüchtenden macht sich an der Fülle des Straßenstaubes fest, der seine Lungen verklebt.So vollziehen sich wesentliche Veränderungen in Zeliks Geschichten auch äußerlich. Güls Initiation zur gesellschaftspolitischen Rebellion beispielsweise: "An einem der Hausaufgabennachmittage hörte sie die erste Public-Enemy-Scheibe "It Takes Millions to Hold Us Back", blickte kurz aus dem Fenster und wusste, dass von nun an alles anders sein würde. Es begann eine erstaunliche Metamorphose." Die vormals brave kurdische Berlinerin beginnt die Bomberjacken ihrer Brüder zu tragen, schlechte Laune zu kultivieren und Queen Latifah zu hören.Der Autor dringt nicht in die Seelen seiner Figuren ein, er sondiert ihr Umfeld und Erscheinungsbild, aus dem sich dann die Charaktere ergeben. Die äußeren Zustände sind es, welche die inneren prägen. Aber natürlich geht es in diesem Buch, wie der Titel schon sagt, um das Überschreiten und Verschwimmen von Grenzen - und damit sind nicht nur die räumlichen gemeint.Allerdings sind die Geschichten nicht in eine durchgängige literarische Form gegossen. Im Gegenteil, der saloppe Plauderton nährt manch müden stilistischen Wildwuchs. Dass Zeliks Buch in der Pop-Literatur-Lade landet, liegt an eben diesem Ton, aber auch an den popkulturellen Bezügen, die der Autor herstellt. "Als durchschnittlich gebildeter Jugendlicher hat man bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres mindestens 674 Filme gesehen, in denen einer Gruppe good guys von ziemlich fiesen bad folks ununterbrochen üble Hinterhalte gelegt werden, weitere 136 von Freunden erzählt bekommen, in denen die Bewohner abgelegener Ferienhäuser von Perversen massakriert werden. Dies ist sozusagen der Wissensfundus, aus dem man schöpfen kann, wenn man eine Vorstellung von einem möglichst miesen Tod haben will."
Lisa Scheide Im Zweikanalton erzählt aus taz hamburg


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