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Ebenso wie dem kapitalistischen Wirtschaftssystem wird auch „der Arbeiterbewegung“ immer wieder die finale Krise bescheinigt. Dass es abseits der institutionalisierten Partei- und Gewerkschaftsapparate, nicht so ruhig zugeht und der Kapitalismus erfinderisch wie konfliktträchtig ist, interessiert dabei selten. Erfreulicherweise gibt es differenziertere Analysen. Dazu gehört Beverly J. Silvers Buch „Forces of Labor“, in dem die US-amerikanische Soziologin aus welthistorischer Perspektive der Frage nachgeht, was an der Krise der Arbeiterbewegungen zur Zeit der Globalisierung das historisch Neue ist. Sich auf labor unrests, also „Arbeiterunruhen“ im weitesten Sinn, vom Blaumachen bis zum Streik, konzentrierend, folgt sie den Bewegungen von Kapital und Arbeit durch Zeit und Raum und beschreibt, wie sich mit den Zentren der Produktion immer wieder auch die „Epizentren der Militanz“ zyklisch verschoben haben. Die historische Verabschiedung der Arbeiterbewegungen hält sie für verfrüht, denn: „Wohin das Kapital auch geht, die Konflikte gehen mit.“ [...] Es gelingt Silver, die Krise der Arbeiterbewegungen differenzierter in den Blick zu nehmen als üblich. Statt pauschal den Untergang zu beschwören, interessiert sie sich für die Bedingungen, unter denen Arbeiterbewegungen in die Krise geraten, aber immer wieder neu entstehen. Ihre welthistorische Perspektive verdeutlicht, dass die Konflikte dem Kapitalverhältnis strukturell eingeschrieben sind und immer wieder aufbrechen können. Die Krise muss keine endgültige sein, sondern kann durch aktives kollektives Handeln überwunden werden. Der Suche nach Antworten auf die Frage, wie dieses aussehen kann, gibt Silver mit ihrer Analyse der branchenspezifischen Machtquellen von ArbeiterInnen aufschlussreiches Material an die Hand. Vor allem aber regt „Forces of Labor“ zum Weiterdenken an: Nicht nur die „Reparaturversuche“ des Kapitals erweisen sich immer wieder als nur begrenzt wirksam, sondern auch die der institutionalisierten Arbeiterorganisationen, deren Beschränkung auf den „Kampf im Lohnsystem“ neben materiellen Verbesserungen für einige auch eine stabilisierende Regulation kapitalistischer Akkumulationsprozesse bewirkte, bis sich mit der nächsten Krise für Kapital und Arbeit – um es mit Marx zu sagen – die „ganze alte Scheiße“ wieder einstellte.
Oliver Bierhoff aus Graswurzelrevolution 303
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