Welches Niveau eine solche Auseinandersetzung haben könnte und müßte, veranschaulicht ein Versuch aus Italien, die Geschichte der Brigate Rosse (BR) nachzuzeichnen, der nun auf Deutsch vorliegt. Die beiden Journalistinnen Rossana Rossanda und Carla Mosca interviewten und diskutierten sechs Tage lang im Knast mit einem der "Anführer" der BR, Mario Moretti. Dieser, Gründungsmitglied und unter anderem verantwortlich und verurteilt für die Moro-Entführung, sitzt seit 1981 im Knast. ... Den Tiefgang der Gespräche macht sicherlich aus, daß Moretti weder die eigene Verantwortlichkeit für die BR und ihre Taten leugnet, noch um "die Höhe der Niederlage" herumredet. ... In sechs langen Gesprächen wird mehr oder weniger chronologisch die Geschichte der BR nachvollzogen und Mario Morettis Lebensweg darin.
aus Contraste
Das Buch von Moretti stellt die bisher umfassendste und kritischste Darstellung der Geschichte der Roten Brigaden dar. Moretti beschönigt nichts, redet niemendem nach dem Mund und leistet sich auch das Privileg, an bestimmten aus der Mode gekommenen Positionen festzuhalten, ohne dass sie deswegen richtiger werden. Doch gerade dies macht ihn glaubwürdiger als all die anderen, die vorgeben, die neue Perspektive bereits gefunden zu haben, und die deshalb die siebziger Jahre nach den Erfordernissen ihrer aktuellen Absichten darstellen müssen.
Andreas Löhrer aus Die Aktion
Brigate Rosse ist ein intellektuell spannendes Buch, ein Dokument tabuisierter politischer Geschichte und die explizite Aufforderung, sich mit der militanten Linken ... politisch auseinanderzusetzen.
Stefanie Christmann Entmystifizierung aus Freitag
Mit "Brigate Rosse. Eine italienische Geschichte" liegt ein weiterer Versuch vor, sich dem schwierigen Unterfangen der Aufarbeitung der Geschichte des bewaffneten Kampfes zu widmen. ... Moretti versucht mit diesen Gesprächen die Geschichte der Roten Brigaden als "Bruchstück politischer Geschichte" festzuhalten, die Auskunft über Diskussionen und Einschätzungen der Linken in den 60er und 70er Jahren gibt.
Gottfried Oy aus links
Es dominiert die durchweg selbstkritische Rekonstruktion eines politischen Weges aus dem Arbeiterkampf in den Mailänder Fabriken gegen Ende der sechziger Jahre in den »bewaffneten Widerstand« der radikalen Systemopposition - ein Weg, den Moretti als gescheitert bilanziert, ohne deshalb das Interesse an der Untersuchung dieses Scheiterns in Form einer konstruktiven politischen Analyse für eine Handvoll larmoyanter Anekdoten einzutauschen.
aus Zeitschrift für Politikwissenschaft