Warum mußten wir so lange auf ein derartiges Buch warten? … Gabriel Kuhn versucht den Stand der damaligen Piraten, deren Ethik, Verhältnis zur Sexualität, Biopolitik, Nationalitätsfrage, Ethnizität, Subkultur u.v.m. zu untersuchen und darzustellen. Es war vor allem der Drang nach Freiheit und Unabhängigkeit, den die damaligen Männer, aber auch ein paar Frauen in die Illegalität trieb. Das Leben der meisten Piraten war kurz, aber eben auch in diesem Moment selbst gewählt. …
»Unter dem Jolly Roger« ist ein Abenteuer-Buch für Freigeister. Eignen wir uns die Geschichte jener See- und Rauhbeine an, lernen wir aus ihren Stärken, wie etwa dem Freiheitsdrang um jeden Preis, lernen wir aus ihren Schwächen, jenen, der zur damaligen Zeit unter Piraten noch vorherrschenden Individualismus, der auch nur ein Umkehrschluss einer unabdingbar scheinenden Unterwerfung unter Gott und Krone darstellte. Die Piraten gehören nicht »uns«, aber wir können sie uns nutzbar machen. »Sie waren freie Männer und es war die Freiheit ihrer Lebensweise nicht die Lebensweise selbst«, die fasziniert. Was uns heute mit den Piraten des 17. und 18. Jahrhundert verbindet, wäre der Antiautoritarismus, Verweigerung, Demokratie (in bestimmten Situationen) und eine interne Egalität. Stärke, Mut, List und Entschlossenheit sind die einzigen Mittel, die den Armen, welche ihre Situation nicht akzeptieren wollen, übrig bleiben. Lasst uns also Piraten werden ...
Wenn das Jahr nicht noch so früh wäre, würde ich dieses Buch schon zum Besten des Jahres küren wollen. |