layout  
 

Assoziation A

 
 
HOME >> Rezension >> Kuhn, Gabriel : Unter dem Jolly Roger  
 
Aktuelles
Lesungen
Ankündigungen
Neuerscheinungen
 Gesamtprogramm
nach Autoren
nach Themen
Suche
Newsletter bestellen
Kontakt
 
 
Dieses Buch ist interessant für Wassersportler_innen, die sich für Piraterie als soziales, gesellschaftliches Thema interessieren und Lust haben, über die heutige Bedeutung nachzudenken.
Stefan Schneider : "Die Faszination der Piraterie" aus Blog des Autors mehr ...
Warum mussten wir so lange auf ein derartiges Buch warten? Wenn das Jahr nicht noch so früh wäre, würde ich dieses Buch schon zum Besten des Jahres küren wollen.
Jochen Knoblauch : "Lasst uns doch Piraten werden" aus Contraste (Mai 2011) mehr ...
Was bleibt, ist der Mythos des Piratischen, der, ob verklärt oder nicht, nach wie vor seine Wirkung entfaltet. Gabriel Kuhns spannend erzähltes, gut recherchiertes und mit einer ausführlichen Literaturliste versehenes Buch bringt den interessierten Leser auf die unterschiedlichsten Spuren dieser komplexen Thematik und macht Lust auf mehr.
Florian Schmid : "Lass mich ein Pirat sein" aus Der Freitag (2.6.2011) mehr ...
War nicht schon alles gesagt über die karibische Piraterie des Goldenen Zeitalters? Nein, und das ist es jetzt noch immer nicht. Aber Kuhns Beitrag stellt immerhin einen großen Schritt nach vorne dar.
Rüdiger Haude : aus H-Soz-u-Kult (1.10.2010) mehr ...
Das gängige Bild vom karibischen Piraten stellt vielleicht den einzigen Fall dar, in dem körperliche Verstümmelungen nicht nur als gleichberechtigt akzeptiert, sondern sogar als besondere Auszeichnung, als ›cool‹ geschätzt werden. Gabriel Kuhn hat dankenswerterweise in seinem jüngst in deutscher Übersetzung erschienenen Piratenbuch diesen Aspekt herausgearbeitet.
Rüdiger Haude : "Coole Holzbeine" aus junge welt (Beilage Behinde) mehr ...
Dem Autor ist das Kunststück gelungen, seine stringente und stets belegte Analyse in einer durchweg gut und leicht zu lesenden Form zu schreiben.
Thomas Kuczynski : "Piraten – mit und ohne Romantik" aus Ossietzky Heft 9 (29.4.2011) mehr ...
 
Jochen Knoblauch "Lasst uns doch Piraten werden" aus Contraste (Mai 2011)
Warum mußten wir so lange auf ein derartiges Buch warten? … Gabriel Kuhn versucht den Stand der damaligen Piraten, deren Ethik, Verhältnis zur Sexualität, Biopolitik, Nationalitätsfrage, Ethnizität, Subkultur u.v.m. zu untersuchen und darzustellen. Es war vor allem der Drang nach Freiheit und Unabhängigkeit, den die damaligen Männer, aber auch ein paar Frauen in die Illegalität trieb. Das Leben der meisten Piraten war kurz, aber eben auch in diesem Moment selbst gewählt. …
»Unter dem Jolly Roger« ist ein Abenteuer-Buch für Freigeister. Eignen wir uns die Geschichte jener See- und Rauhbeine an, lernen wir aus ihren Stärken, wie etwa dem Freiheitsdrang um jeden Preis, lernen wir aus ihren Schwächen, jenen, der zur damaligen Zeit unter Piraten noch vorherrschenden Individualismus, der auch nur ein Umkehrschluss einer unabdingbar scheinenden Unterwerfung unter Gott und Krone darstellte. Die Piraten gehören nicht »uns«, aber wir können sie uns nutzbar machen. »Sie waren freie Männer und es war die Freiheit ihrer Lebensweise nicht die Lebensweise selbst«, die fasziniert. Was uns heute mit den Piraten des 17. und 18. Jahrhundert verbindet, wäre der Antiautoritarismus, Verweigerung, Demokratie (in bestimmten Situationen) und eine interne Egalität. Stärke, Mut, List und Entschlossenheit sind die einzigen Mittel, die den Armen, welche ihre Situation nicht akzeptieren wollen, übrig bleiben. Lasst uns also Piraten werden ...
Wenn das Jahr nicht noch so früh wäre, würde ich dieses Buch schon zum Besten des Jahres küren wollen.
| nach oben |
 
Rüdiger Haude "Coole Holzbeine" aus junge welt (Beilage Behinde)
Das gängige Bild vom karibischen Piraten stellt vielleicht den einzigen Fall dar, in dem körperliche Verstümmelungen nicht nur als gleichberechtigt akzeptiert, sondern sogar als besondere Auszeichnung, als ›cool‹ geschätzt werden. Gabriel Kuhn hat dankenswerterweise in seinem jüngst in deutscher Übersetzung erschienenen Piratenbuch diesen Aspekt herausgearbeitet. Zugleich schüttete er Wasser in diesen Wein: Zwar sei die Akzeptanz von Behinderung uneingeschränkt zu begrüßen, doch müsse man einen differenzierteren Blick auf die Motive solcher Akzeptanz richten. Im Kampf erworbene Verstümmelungen galten als Beweise für Männlichkeit und Wagemut. Der Akzeptanz lägen also eher zweifelhafte Werte zugrunde.
Das ist sicher wahr. Die Piratengesellschaften des »Goldenen Zeitalters« – Anfang des 18. Jahrhunderts – praktizierten zwar faszinierende Modelle radikaler Demokratie auf ihren Schiffen, vermochten es aber nicht, die Logik patriarchaler Geschlechterverhältnisse zu überwinden und somit ein Identifikationsangebot für alle Menschen zu entwickeln. ...
Die symbolischen Implikationen sind also ambivalent. Bei den realen Piraten des »Goldenen Zeitalters«, die sich der Problematik des Verlusts von Körperteilen durchaus bewußt waren, finden wir das starke Bemühen, die Behinderten als Gleiche zu integrieren.
Gerade dort, wo man sich das kurze, fröhliche Leben aufs Panier geschrieben hatte, entstand der Gedanke, auch den Gehandicapten die fortdauernde Solidarität des Kollektivs zu verbriefen. ... Die piratischen Verbrecherbanden, ganz gewiß keine Knabenchöre, waren im Hinblick auf ihre Binnenmoral den Staaten ihrer Zeit haushoch überlegen. Sie demonstrierten, daß eine andere Welt möglich war. Darin bestand ihre Hauptgefährlichkeit, darum mußten sie so unerbittlich verfolgt und vernichtet werden.
| nach oben |
 
Thomas Kuczynski "Piraten – mit und ohne Romantik" aus Ossietzky Heft 9 (29.4.2011)
Kuhn hat seine Darstellung nicht ohne Sympathie für die Piraten geschrieben, aber ohne romantische Verklärung und ohne ideologische Überanstrengung. In ihrem Zentrum steht das „Goldene Zeitalter“ der Piraterie. ...
Es ist schon erstaunlich, welch bleibenden Eindruck dies Dritteljahrhundert in der europäischen Geschichtsschreibung hinterlassen hat und mit welcher Intensität ideologische Auseinandersetzungen um die „klassische“ Piraterie gerade in den letzten beiden Jahrzehnten geführt worden sind. Zur historisch-theoretischen Einordnung dieses Phänomens befaßt sich Kuhn nicht nur mit gestandenen Historikern wie Eric Hobsbawm („Sozialrebellen“) und Christopher Hill („Radical Pirats?“), mit Anthropologen wie Pierre Clastres („Staatsfeinde“) sowie Gilles Deleuze und Felix Guattari („Nomadology“), sondern auch mit Theoretikern des Volkskriegs (Mao Tse-tung) und der Guerilla (Che Guevara und Carlos Marighella) sowie mit Philosophen wie Michel Foucault und – für das deutschsprachige Publikum etwas überraschend – Friedrich Nietzsche. Viele Bezüge auf historische wie aktuelle Klassenkampfsituationen, in denen der Autor auch die Grenzen des historischen Piratentums aufzeigt, machen den besonderen Reiz des Buches aus. ...
Hinzu kommt, daß dem Autor das Kunststück gelungen ist, seine stringente und (mit über tausend Anmerkungen!) stets belegte Analyse in einer durchweg gut und leicht zu lesenden Form zu schreiben.
| nach oben |
 
Informationen zu

Gabriel Kuhn mehr ...