Es sind Bücher, die, getarnt als Kriminalgeschichten, einen präzisen Ausschnitt aus der sozialen Realität Italiens wählen - und in denen die Linke nur am Rande auftaucht, eine zu vernachlässigende Größe. Sie ist die, wenn man so will, große Abwesende. ...
Nanni Balestrini schildert, wie es in einem Landstrich zugeht, in dem die kapitalistische Vergesellschaftung die Verlaufsform der Unterentwicklung annimmt, in dem eine vom Industrialismus geprägte Linke erst gar keine Chance hat hochzukommen und das Bedürfnis, sich nicht mit dem Elend abfinden zu wollen, unmittelbar mafiös äußert. ...
Balestrini, in den sechziger Jahren ein Avantgardeschriftsteller, ein Antirealist (kein Freund Pasolinis!), dann durch die großen Fabrikkämpfe politisiert, Literat des Operaismo, der in »Wir wollen alles« mit einfachen Worten und - im Kontrast dazu - einer sehr kühnen Erzählstruktur die Geschichte jener Turiner Fabrikkämpfe erzählte, Balestrini also blendet in »Sandokan« das subversive Element völlig aus. Das Buch spielt in den achtziger, neunziger und nuller Jahren - bleierne Jahre. Was bleibt, wenn keine Linke in Sicht ist, die in der Lage sein könnte, das Blatt zu wenden: nüchterne Analyse.
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