layout  
 

Assoziation A

 
 
HOME >> Rezension >> Balestrini, Nanni : Sandokan  
 
Aktuelles
Lesungen
Ankündigungen
Neuerscheinungen
 Gesamtprogramm
nach Autoren
nach Themen
Bestellung
Suche
Mailingliste abonnieren
Kontakt
 
 
aus ak 513 mehr ...
Roman Schweidlenko : aus contraste mehr ...
Matthias Becker : "Herrschaft der Rackets" aus junge welt (8.2.2007) mehr ...
aus Jungle World 47/2006 (Catrin Dingler) mehr ...
Felix Klopotek : "Zur Nachahmung empfohlen" aus konkret (Juni 2007) mehr ...
Reinhard Sauer : "Erfahrung und Verbrechen" aus ost:blog mehr ...
Sarah Ernst : aus sul serio nr. 12 mehr ...
Fanizadeh : "Clan der rigiden Sozialaufsteiger" aus taz (19.5.2007) mehr ...
Steffen Vogel : "Der düstere Rebell" aus Telepolis mehr ...
beeindruckende Literatur ...
Steffen Richter : "Wie im Roman" aus WELT (17. August 2007) mehr ...
Andreas Fanizadeh : "Gangsterexistenzialismus" aus WOZ (5.4.2007) mehr ...
 
aus ak 513
Vom Aufstieg und Fall eines Camorra-Clans in der Provinz Caserta (bei Neapel) erzählt Nanni Balestrini, Autor linker Kultbücher wie "Wir wollen alles" und "Die Unsichtbaren", in seinem neuen Buch "Sandokan". 2004 im italienischen Original erschienen, liegt es nun in Max Henningers guter deutscher Übersetzung als Taschenbuch bei der Assoziation A vor. "Eine Camorra-Geschichte": In dem öden Landstrich, wo es nichts gibt - "kein Kino kein Theater keine Bibliothek keinen Park keine anständige Schule" -, erscheint vielen Jugendlichen der Weg in die organisierte Kriminalität als einziger Ausweg. Ein trügerischer Ausweg, wie der Ich-Erzähler, ein jugendlicher Einzelgänger, sehr wohl weiß. Auf zweifelhaften Ruhm und schnellen Reichtum folgt oft ein tödliches Ende - die in den vergangenen Jahren in der Region um Neapel blutig ausgetragenen Bandenkriege belegen, dass Balestrini hier kein bisschen übertreibt. Realistisch ist auch die Schilderung des Systems von Korruption und Verfilzung zwischen politischen Parteien und Clans: In dem vergleichsweise harmlosen und fast schon komischen Kapitel "Die Deponie" schildert der Erzähler die durch EU-Gelder ermöglichten Betrügereien mit landwirtschaftlicher Überproduktion - auch das ist, wie der Drogenhandel und die Schutzgelderpressung, eine Einnahmequelle für die Camorra. Politischer Widerstand erscheint aussichtslos: Wo die Clans und die von ihnen bezahlten Parteien herrschen, haben oppositionelle Bestrebungen keinerlei Entfaltungsmöglichkeit. Eine wichtige Erkenntnis für romantisch veranlagte Linke, von denen einige, zumal in Deutschland, Mafiosi immer noch als bewaffnete "Rebellen" gegen den Staatsapparat verklären. Der Anti-Held in Balestrinis Geschichte ergreift schließlich die Flucht: "ich habe mich zum Bahnhof bringen lassen und habe mir selbst wuterfüllt gesagt dass ich in meinen Ort nie wieder zurückkehren werde". Ein spannendes Buch, dessen Lektüre durch Balestrinis Marotte, auf jede Art von Satzzeichen zu verzichten, leider etwas erschwert wird.
| nach oben |
 
Roman Schweidlenko aus contraste
Der Roman malt soziale Bilder der süditalienischen ländlichen Gesellschaft. Er lässt Ereignisse sprechen, moralisiert (fast) nicht. Er geht unter die Haut. Denn alles pasiert jetzt. Und ist nicht erfunden.
| nach oben |
 
Felix Klopotek "Zur Nachahmung empfohlen" aus konkret (Juni 2007)
Es sind Bücher, die, getarnt als Kriminalgeschichten, einen präzisen Ausschnitt aus der sozialen Realität Italiens wählen - und in denen die Linke nur am Rande auftaucht, eine zu vernachlässigende Größe. Sie ist die, wenn man so will, große Abwesende. ...
Nanni Balestrini schildert, wie es in einem Landstrich zugeht, in dem die kapitalistische Vergesellschaftung die Verlaufsform der Unterentwicklung annimmt, in dem eine vom Industrialismus geprägte Linke erst gar keine Chance hat hochzukommen und das Bedürfnis, sich nicht mit dem Elend abfinden zu wollen, unmittelbar mafiös äußert. ...
Balestrini, in den sechziger Jahren ein Avantgardeschriftsteller, ein Antirealist (kein Freund Pasolinis!), dann durch die großen Fabrikkämpfe politisiert, Literat des Operaismo, der in »Wir wollen alles« mit einfachen Worten und - im Kontrast dazu - einer sehr kühnen Erzählstruktur die Geschichte jener Turiner Fabrikkämpfe erzählte, Balestrini also blendet in »Sandokan« das subversive Element völlig aus. Das Buch spielt in den achtziger, neunziger und nuller Jahren - bleierne Jahre. Was bleibt, wenn keine Linke in Sicht ist, die in der Lage sein könnte, das Blatt zu wenden: nüchterne Analyse.
| nach oben |
 
Steffen Richter "Wie im Roman" aus WELT (17. August 2007)
Für italienische Autoren oder Ausländer, die in Italien schreiben, gibt es kaum einen Weg an der Mafia vorbei. Mafia freilich ist zum recht undifferenzierten Oberbegriff geworden. Gemeint sind im Einzelnen die sizilianische Cosa Nostra, die kampanische Camorra, die 'Ndrangheta aus Kalabrien und neuerdings auch die Sacra Corona Unita aus Apulien. ...
Über die Camorra wird noch viel gesprochen werden, wenn in wenigen Tagen Roberto Savianos spektakulärer italienischer Bucherfolg "Gomorrha" auf Deutsch erscheint. Was hier zwischen atemloser Verbrechensreportage und Pulp-Roman schillert, ist in Nanni Balestrinis "Sandokan", der Geschichte des Camorra-Clans der Bardellinos, schon beeindruckende Literatur geworden.
| nach oben |
 
Bücher des Autors bei Assoziation A

Balestrini, Nanni: Der Verleger

Balestrini | Moroni: Die goldene Horde

Balestrini, Nanni: Die Unsichtbaren

Balestrini, Nanni: Wir wollen alles

Balestrini, Nanni: Die große Revolte

Informationen zu

Nanni Balestrini mehr ...