Die Gruppe [ist] ein durchaus beachtlicher Zusammenhang in den nicht selten von Diskontinuität geprägten linken Zirkeln und Arbeitsgruppen in und außerhalb von Organisationen und sozialen Bewegungen. Die Herkunft aus dem »organisierten linksradikalen Flügel der Erwerbslosenbewegung in Hamburg« prägt dabei die Richtung der Diskussionen. ... Im Fokus steht nicht die kritische Analyse als Selbstzweck, sondern die »Perspektive des Widerstandes, des Konfliktes, der individuellen Alltagswiderständigkeit wie auch der organisierten sozialen Bewegung«. Es wird auf eher sympathische Weise auf einen akademischen Gestus verzichtet, vielmehr ist der Band Ausdruck einer Selbstorganisation von Wissen und Interpretation des eigenen sozialen Umfelds. ...
Die den einzelnen Blöcken vorangestellten Texte zeigen die Fähigkeit der AutorInnen, die eigenen Diskussionen quasi von außen und von heute einzuordnen, ihre Schwächen bzw. Brüche zu reflektieren. Nicht nur angesichts der vom Internet weiter beschleunigten Textproduktion ist eine solche Wieder- und Neubetrachtung sinnvoll. Sie erleichtert auch die Rezeption für LeserInnen, die die beschriebenen Diskussionen nicht oder nur in Bruchstücken verfolgt haben. ...
Die Distanz sowohl zu linken Parteien als auch zu Gewerkschaften erscheint aus der vorliegenden Argumentation zwar wohl begründet, ihr liegen bei näherer Betrachtung aber auch nicht selten pauschale Urteile zugrunde, ... die die Vielgestaltigkeit der organisierten Arbeiterbewegung nicht zum Zuge kommen lässt. ... Darüber hinaus wird die »Neuzusammensetzung und Neudefinition der Linken«, als deren Teil sich auch der Blaue Montag versteht, so gut wie gar nicht auf die gleichnamige Partei bezogen, deren fast völlige Nicht-Erwähnung wiederum Bände spricht. ...
Die Distanz des Blauen Montags zur Lohnarbeit stellt sich anscheinend erkenntnispraktisch zum Teil vor die Wahrnehmung ihres hohen gesamtgesellschaftlichen Stellenwerts. Der enge Zusammenhang zwischen der eigenen Lebenspraxis und den Analyseergebnissen erweist sich damit wieder einmal als grundlegend.
Doch trotz der erwähnten Kritikpunkte bietet der Band gut brauchbares Material für andere, thematisch ähnlich ausgerichtete linke Diskussionsgruppen. Anregungen enthält er nicht zuletzt für GewerkschafterInnen, die sich bemühen, Prekarisierte und Erwerbslose zu organisieren, und die hier mögliche Vorbehalte ihnen gegenüber formuliert finden, denen es standzuhalten gilt.
|