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HOME >> Rezension >> Goñi, Uki : Odessa: Die wahre Geschichte  
 
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Nathalie Wappler : aus 3sat/kulturzeit mehr ...
Nicole Vrenegor : aus ak mehr ...
Fritz Rotdorn : aus Antifa-Infoblatt Nr. 73 mehr ...
Peter Wien : aus arte mehr ...
Der argentinische Journalist und Autor Uki Goni hat nach langjährigen Recherchen ein Standardwerk geschrieben. Hier ein Video-Interview mit dem Autor
"Die Akte Odessa" aus aspekte/ZDF (26.5.2006) mehr ...
David Jünger : aus COMPARATIV 18 (2008) mehr ...
Sandra Weiss : aus Der Bund (16.4.2003) mehr ...
Christian v. Ditfurth : aus Die Welt (4.11.2006) mehr ...
Anke Schwarzer : "Eichmanns Fluchthelfer" aus Frankfurter Rundschau (3.1.2006) mehr ...
Otto Köhler : "Die Rattenlinie" aus Freitag (15.12.2006) mehr ...
Raphaela Kula : "Über die Rattenlinie" aus Freitag (14.9.2007) mehr ...
Interview mit Theo Bruns : aus humanistischer pressedienst mehr ...
"Argentinien und die „Unerwünschten“" aus ila 298 mehr ...
"Massenexodus von NS-Kriegsverbrechern" aus ila 299 mehr ...
"Der Vatikan und die Rattenlinie" aus ila 301 mehr ...
Stefan Thimmel : "Flucht über den Atlantik" aus INKOTA-Brief 137 mehr ...
Carsten Schiefer : "Interview mit Uki Goñi" aus junge welt (5.12.2006) mehr ...
Gerd Bedszent : aus junge welt (4.12.2006) mehr ...
Nina Körner : "Auf den Spuren der Ratten" aus Jüdische Zeitung (Januar 2007) mehr ...
Peter O. Chotjewitz : "Rattengift" aus konkret (Dzember 2006) mehr ...
Seine verdienstvolle Untersuchung ist ein für die argentinische Diskussion unverzichtbares Exempel historisch exakter Erinnerungsarbeit. Sie verlangt auch der europäischen Linken eine Reflexion des linken Populismus des Generals Péron ab.
Jan Müller : "Stranger than Fiction" aus literaturkritik.de mehr ...
Ernst Reuß : aus ND (1.2.2007) mehr ...
"Fluchthelfer für Nazi-Kriegsverbrecher" aus Neue Zürcher Zeitung (15.6.2007) mehr ...
Ahlrich Meyer : aus Newsletter Fritz Bauer Institut (Frühjahr 2007) mehr ...
aus SF 1 / Kulturplatz ( Schweizer TV) (7.6.2006) mehr ...
Ahlrich Meyer : aus Sozial.Geschichte (Heft 1/2007) mehr ...
Teja Fiedler : "Nazis auf der Flucht" aus Stern (13/2005) mehr ...
Das Buch ... gehört für mich zu den wichtigsten 2006 in Deutschland erschienenen Publikationen.
Karl Heinz Jahnke : aus Studienkreis Deutscher Widerstand (Informationen 6) mehr ...
Jörg Später : aus Süddeutsche Zeitung (5.2.2007) mehr ...
Ralf Balke : "Über Rattenlinien" aus Tagesspiegel (2. Oktober 2006) mehr ...
Gerhard Dilger : "Interview mit Uki Goñi" aus taz (26.7.2006) mehr ...
Anne Klein : aus Tribüne Heft 182 (2. Quartal 2007) mehr ...
 
Nicole Vrenegor aus ak
Uki Goñi nimmt die LeserInnen mit auf seine Suche nach dem wahren Kern der Odessalegende. Und die gleicht einem komplizierten Puzzlespiel. Dem Journalisten wurde von offizieller Seite die Recherche nach Dokumenten und Spuren der Nazifluchthilfe nicht leicht gemacht: Viele Akten aus den Geheimarchiven der argentinischen Einwanderungsbehörde wurden bereits 1955, kurz vor dem Sturz von Präsident Juan Domingo Perón, beseitigt. Eine weitere Säuberungsaktion fand 1996 statt. ... Dennoch gelingt es Goñi nachzuweisen, dass Perón "in so dreister Weise und in direkter Komplizenschaft mit den Kriegsverbrechern die größte Fluchtoperation in den Annalen der Verbrechensgeschichte aushecken konnte". Kein Wunder also, dass seine Rechercheergebnisse in Argentinien für viel Aufsehen gesorgt haben.
Mit Hilfe von Peróns ausgetüfteltem System der Fluchthilfe wurden ab 1946 über 100 französische Kollaborateure und belgische Rexisten mit falschen Papieren ausgestattet und nach Argentinien gebracht, ab 1947 erhielten kroatische Ustaschen Einreisepapiere und ab 1948 kamen deutschsprachige Naziverbrecher in den Genuss der Fluchthilfe. Insgesamt gelangten - so der aktuelle Stand der Recherche - mindestens 300 NS-Kriegsverbrecher und deren Kollaborateure über sogenannte Ratlines nach Argentinien. ... Die Liste der Geflüchteten liest sich wie das Who ist Who der meistgesuchten Nazikriegsverbrecher: Adolf Eichmann, Josef Mengele, der für die Massaker in den ardeatinischen Höhlen verantwortliche SS-Offizier, Erich Priebke, der Gestapochef von Lyon, Klaus Barbie, die Kommandanten von Sobibor und Treblinka, Franz Stangl und Gustav Wagner und der SS-Kommandant in polnischen Zwangsarbeiterlagern, Josef Schwammberger. Alles Männer, die maßgeblich für den Holocaust und die Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantwortlich sind und die dank der Fluchthilfe ihrem sicheren Todesurteil durch alliierte Tribunale (zunächst) entkommen konnten.
Uki Goñis Untersuchung dokumentiert sehr akribisch, wie das komplexe System der Nazifluchthilfe funktionierte, wer daran beteiligt war und wie versucht wurde und wird, dies zu vertuschen. ... Perón und seine Helfer wären allein nicht in der Lage gewesen, die Massenflucht der Kriegsverbrecher aus Europa zu organisieren. Hier kommt der zweite Fadenzieher der Nazifluchthilfe ins Spiel: Der Vatikan.
Als Reaktion auf das Erscheinen der britischen Odessa-Ausgabe räumten Kirchenvertreter 2002 ein, dass zwar einzelne Bischöfe in die Nazihilfe verwickelt sein mögen, negierten aber die aktive Beteiligung der Institution Kirche und des Papstes Pius XII. Im Epilog rekonstruiert Goñi anhand der verfügbaren Quellen überzeugend die Komplizenschaft des Vatikans.
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David Jünger aus COMPARATIV 18 (2008)
Uki Goñi wie Heinz Schneppen verfolgen in ihren Arbeiten ein bestimmtes Interesse, formulieren hieraus eine These und ordnen das Material nach dieser. Goñi hat sein Interesse benannt, er sieht es vor allem in den postdiktatorischen Vergangenheitsdiskursen Argentiniens verortet. Weder gäbe es eine Auseinandersetzung mit dem Peronismus noch mit der argentinischen Kollaboration mit den Nazi-Verbrechern. Er schreibe gegen eine Mauer des Schweigens an, woraus sich die Verve seiner Argumentation begründen lässt.
Aber auch Schneppen treibt etwas um; Wiesenthal und Goñi werden von ihm in seiner Arbeit zu Gegnern aufgebaut, ohne dass er jemals den Grund dafür nennen würde. Problematisch ist dies vor allem, weil er mit dem Anspruch der Objektivität antritt, den er selbst gar nicht einhalten kann.
Trotz aller Verschiedenheiten und der von Schneppen proklamierten Unvereinbarkeit ist der empirische Gehalt beider Arbeiten jedoch ganz ähnlich, auch wenn Goñis Arbeit dabei mit Abstand elaborierter ist als diejenige Schneppens. Beide konstatieren, dass es zwar keine Odessa gab, aber eine Rattenlinie, dass das Zusammenspiel aus dem Argentinien Peróns, der katholischen Kirche und des Roten Kreuzes die Basis tausendfacher erfolgreicher Flucht bildete.
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Peter O. Chotjewitz "Rattengift" aus konkret (Dzember 2006)
Ich weise auf diese Leichen im Keller der Bundesrepublik Deutschland, weil ich die Ehre habe, ein Sachbuch zu empfehlen, das dieser Tage im verdienstvollen Berliner Verlag Assoziation A erschienen ist: Uki Goñis "Odessa: Die wahre Geschichte. Fluchthilfe für NS-Kriegsverbrecher". Das 2002 zuerst in London erschienene Werk, nun gefördert vom Deutschen Übersetzerfonds Berlin, ergänzt frühere Arbeiten zum Thema - die Studien von Ernst Klee aus dem Fischer-Verlag und von Rena und Thomas Giefer (Beltz-Verlag) zum Beispiel. ...
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aus SF 1 / Kulturplatz ( Schweizer TV) (7.6.2006)
Mit Hilfe eines hoch organisierten Netzwerkes konnten Adolf Eichmann, KZ-Arzt Josef Mengele und viele andere Nazi-Schergen der Strafverfolgung entkommen. Eine wichtige Drehscheibe war die Schweiz. Hier bezogen die Kriegsverbrecher falsche Flüchtlingsidentitäten samt Pass und Visum. Die Schweizer Behörden liessen sie gewähren, halfen bisweilen sogar aktiv mit. In einer umfassenden Studie hat der argentinische Historiker Uki Goñi das ganze Ausmass des Fluchtroutensystems von der Schweiz über Italien nach Argentinien enthüllt.
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Ahlrich Meyer aus Sozial.Geschichte (Heft 1/2007)
(...) Das Buch beruht auf einer breiten Quellenbasis; die dargestellten Fakten werden sorgfältig belegt. Da argentinische Archive großenteils von belastendem Aktenmaterial „gesäubert“ wurden, begann die Spurensuche in belgischen, US-amerikanischen, britischen und Schweizer Archiven. Zudem führte Goñi zahlreiche Zeitzeugeninterviews. Einzelne Kapitel seiner Darstellung stützen sich weitgehend auf die einschlägige Fachliteratur. Gleichwohl bleibt Goñis Buch gut lesbar, denn es ist spannend geschrieben und wurde von Theo Bruns und Stefanie Graefe vorzüglich ins Deutsche übersetzt. Einige Irrtümer des englischen Originals wurden stillschweigend korrigiert. Freilich darf man sich nicht an einer stark anekdotischen Erzählweise stören, die dem fiktionalen Genre – zumal dem der Geheimdienstkrimis – bisweilen bedenklich nahe kommt.
Was die Geschichte der „wahren Odessa“ über die Rekonstruktion der historischen Fakten hinaus schließlich interessant macht und was zugleich wie ein Subtext des Buches gelesen werden kann, das ist sein aufklärerischer Aktualitätsbezug. Zwar konnte Goñi keine direkten, personellen Zusammenhänge zwischen der pronazistischen Asylpolitik Perons und der blutigen Repression der Militärs ausmachen, die Argentinien zwischen 1976 und 1983 in das Land der Folter, der Todeslager und der Abertausend „Verschwundenen“ verwandelten. Doch er beharrt darauf, daß diese Militärdiktatur in der Kontinuität eines politisch-moralischen Defizits und einer Haltung des Wegschauens in der argentinischen Gesellschaft steht, die mit der Abwehr der jüdischen Flüchtlinge 1938 begann, ihre Fortsetzung in der Aufnahme der Nazi-Verbrecher fand und bis zu den immer noch unaufgeklärten, unbestraften Bombenanschlägen reicht, welche Anfang der 1990er Jahre auf die israelische Botschaft und das jüdische Gemeindezentrum AMIA in Buenos Aires verübt wurden.
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Jörg Später aus Süddeutsche Zeitung (5.2.2007)
Uki Goñi hat die Geschichte von „Peróns Odessa“ rekonstruiert: Peróns Nachrichtenabteilung baute zunächst 1947 eine Fluchtroute über Nordeuropa, dann 1948 eine Südroute durch die Schweiz und Italien auf und setzte dabei auf die Unterstützung einflussreicher Kreise, in der Schweiz etwa durch antisemitische Mitglieder der Regierung. Die Spinne im Netz der Fluchthilfe für NS-Kriegsverbrecher aber war, so Goñi, die katholische Kirche. Die Internationale der Katholiken half sozusagen der Internationale der Faschisten. Ihr gemeinsamer Nenner war demnach der Antikommunismus, eine politische Obsession also, die den Bischof, den Nazi-Flüchtling und den Militär in Argentinien umtrieb und zusammenführte: Sie alle wähnten sich in einem weltweiten Abwehrkampf gegen Kommunismus, „jüdischen Kapitalismus“ und die Missstände der Demokratie. Sie glaubten an die Unvermeidlichkeit eines Dritten Weltkrieges. Ihrer Verschwörung lag eine Verschwörungstheorie zugrunde.
Später duldeten auch die westlichen alliierten Geheimdienste den Komplott, den sie unmittelbar nach dem Krieg noch bekämpft hatten. Schlussendlich, so resümiert der Autor, habe eine Handvoll geteilter Werte, eine gemeinsame Religion und ein gemeinsamer Feind ausgereicht, um eine Fluchtroute aufzubauen, auf der einige der übelsten Verbrecher des Jahrhunderts aus Europa entkamen. Goñi weist nach, dass mindestens 300 von der Todesstrafe bedrohte Männer nach Argentinien geschleust und viele von ihnen von Perón persönlich empfangen worden sind. ...
Dass Goñis Odessa oft an Forsythes Odessa erinnert, ist gleichwohl nicht allein von Nachteil. Denn er reflektiert nicht kompliziert und langatmig über Methoden und Strukturen, sondern erzählt eine richtige Geschichte, und die ist spannend. ...
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Anne Klein aus Tribüne Heft 182 (2. Quartal 2007)
Argentinien ist der zentrale Schauplatz der »wahren« Geschichten, die Uki Goñi in seinem gut recherchierten und mit aussagekräftigen Quellen belegten Buch über die Fluchthilfeorganisation »Odessa« erzählt. Wie der Autor nachweisen kann, bot das Land nach 1945 nicht nur mindestens 300 von der Justiz bedrohten NS-Verbrechern großzügige Aufnahme; vielmehr zog die Regierung Perón die Drähte für diese klandestinen Fluchten und sicherte auf geheimdienstlichen Wegen die internationale Kooperation von Faschisten. Nazis, belgischen Rexisten, italienischen Faschisten sowie Vertreter der rumänischen »Eisernen Garde«, der kroatischen »Ustascha« und des französischen Vichy-Regimes trafen sich in Argentinien und träumten von einem zukünftigen politischen System, das Faschismus und Katholizismus miteinander verband, so wie dies Meinungsführer im Vatikan und in Franco-Spanien bereits während des Zweiten Weltkriegs anvisiert hatten. Auch wenn der »eliminatorische Antisemitismus« (Daniel Goldhagen) nicht im Zentrum dieses von Perón favorisierten Gesellschaftsmodells stand, so war Argentinien doch von massivem Antisemitismus geprägt. Mehr oder weniger explizit, vielfach auch mit antikommunistischer Argumentation, verwehrte man jüdischen Flüchtlingen des Nationalsozialismus die Einreise. Die Tatsache, dass Uki Goñis Großvater als Konsul diese Vorgaben rigide in die Praxis umsetzte, mag erklären, warum der Autor die Energie, Zähigkeit und Ausdauer besaß, gegen alle politischen Blockaden und Archivprobleme die Geschichte der »Rattenlinie« so zu rekonstruieren, dass sie nun auch unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten nicht mehr angezweifelt werden kann.
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