| Sie ist ein kleines und international wenig beachtetes Kapitel des Holocausts: die Verfolgung, Deportation und Ermordung der norwegischen Juden. Von den rund 2100 Juden, die in Norwegen lebten, als die deutschen Truppen 1940 das Land besetzten, kamen rund 770 in den Konzentrations- und Vernichtungslagern der Nazis ums Leben. Eine von ihnen ist Kathe Lasnik. Ihr Schicksal zeichnet der norwegische Sachbuchautor und Philosoph Espen Søbye in dem Buch „Kathe. Deportiert aus Norwegen“ nach, das jetzt auf Deutsch erschienen ist. „Danke für alles. Nun werden wir uns nicht mehr sehen. Heute Nacht wurden wir verhaftet.“ Mit diesen Worten, hastig aufgeschrieben, verabschiedete sich Kathe am frühen Morgen des 26. November 1942 von ihren Mitschülern in Oslo. Nur fünf Tage später, am 1. Dezember, wurde sie in Auschwitz-Birkenau vergast. 15 Jahre war sie damals alt – etwa so wie Anne Frank. ... Søbye zieht in seinen Bann, wenn er von Krieg und Besatzung berichtet, davon, wie Kathe in der Nacht auf den 9. April 1940, als die Deutschen Norwegen überfielen, in einen Luftschutzraum flüchte. Davon, wie ein „J“ in die Pässe gestempelt wurde. Davon, wie die Geschäfte der Juden geschlossen, ihre Vermögen beschlagnahmt wurde. Davon, wie für diese Repressalien die Deutschen, aber auch ihre norwegischen Helfer in der Polizei und der faschistischen Partei Nasjonal Samling verantwortlich waren. Als der Vater schließlich doch vom Krankenbett weg verhaftet wurde, klammerte Kathe, die gerade zu Besuch war, sich an seinen Arm. Mit einem flachen, schwarzen Wagen wurden schließlich auch Kathe, ihre Mutter und ihre Schwester Anna in der Nacht auf den 26. November 1942 abgeholt – verhaftet, im Hafen von Oslo an Bord des Truppentransporters Donau gebracht, nach Stettin und von dort aus in Güterwagen nach Auschwitz. Kaum 20 Minuten nach ihrer Ankunft wurden sie dort vergast. Es ist ein erst trockenes, später packendes Buch, mit einem kurzen historischen Überblick am Ende, den alle, die keine Norwegen-Experten sind, zu Beginn lesen sollten. |