Es dauerte so lange wie die Lebensspanne der NS-Akteure, bis das Bild einer »sauberen Wehrmacht« der historischen Wahrheit im wissenschaftlichen Diskurs weichen mußte. Allerdings gilt dieses Eingeständnis der Geschichtsschreibung meist nur dem deutschen Überfall auf den Osten Europas, bei dem Verbrechen durch die Wehrmacht ganz offensichtlich nicht mehr zu leugnen waren. Für die Welteroberungskämpfe der Wehrmacht in anderen Gebieten hält sich teilweise noch immer die Legende der sich an den Genfer Konventionen orientierenden Wehrmachtssoldaten. Daß auch der Frankreichfeldzug Elemente eines Rassenkriegs enthielt und nicht ausschließlich auf traditionell manifestierte Konflikte zurückzuführen ist, zeigt der Historiker Raffael Scheck überzeugend anhand des Umgangs der Wehrmachtseinheiten mit den in französischen Reihen kämpfenden afrikanischen Kolonialsoldaten. ... Eine einheitliche Richtlinie zum Umgang mit den afrikanischen Soldaten gab es nicht, aber eine durch die Kolonialzeit geprägte rassistische Propaganda aus Goebbels' Ministerium, die nicht zuletzt den Wehrmachtsangehörigen eine Minderwertigkeit und Hinterhältigkeit schwarzer Soldaten vermittelte. Dabei wurden nicht alle schwarzen Gefangenen Opfer von Massakern, einige Deutsche verhielten sich ihnen gegenüber sogar respektvoll. Was wiederum beweist, daß es sich bei den dokumentierten Morden um freiwillig und aus eigenem Antrieb durchgeführte Massaker handelte, deren Täter sich nicht mit Befehlsnotstand herausreden können.
Die Stärke von Schecks Ausführungen liegt in der Einbettung militärischer Fakten in den Kontext der Genese rassistischen Denkens gegenüber Schwarzen. Die Deutschen verpaßten ihnen Attribute, die schließlich auf sie selbst zutrafen: unzivilisiert, grausam, mordsüchtig.
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