Zentral ist dabei die Annahme, dass wir es hier mit einer muliethnischen Klasse zu tun haben, die auch das Zusammenwirken der Geschlechter umfasst und anhand derer eine Epoche von Kämpfen erkennbar wird, der bornierte Trennungen innerhalb der Unterdrückten noch weitgehend fremd gewesen zu sein scheinen.
Hätten die Herrschenden auch immer wieder versucht, durch Klassenneuzusammensetzung und Etablierung rassistischen Denkens Trennkeile zu produzieren (z.B. 154, 306), seien diese eigentlich erst im 19. Jahrhundert mit der Konstitution des Facharbeiters erfolgreich geworden. Es sei gerade auch der „Umstand, dass der weiße, männliche, ausgebildete, lohnbeziehende, nationalistische, Eigentum besitzende Handwerkerbürger oder Industriearbeiter im Mittelpunkt der modernen Arbeitsgeschichte steht“, der dazu geführt habe, dass die Geschichte des atlantischen Proletariats des 17., 18. und frühen 19. Jahrhunderts unsichtbar wurde“ (356). Das Hauptaugenmerk der Untersuchung liegt auf dem Terrain des entstehenden Kapitalismus, das mit dem Dreieck Afrika, Amerika und Europa angegeben wird und bei dem die Seefahrt eine eminente Rolle gespielt habe, sei doch das Schiff ein „Treffpunkt, an dem unterschiedliche Traditionen in einem Treibhaus des Internationalismus zusammengepfercht wurden“ (165). Dementsprechend werden immer wieder Seeleute wie auch Sklaven bzw. Flüchtende in den Blick genommen, wodurch das Bild einer eindrucksvollen widerständigen transnationalen Kommunikationsgemeinschaft erkennbar wird. Ein Bild, dessen sich die Herrschenden stets bewusst waren und dies auch immer wieder mit Besorgnis zur Sprache brachten. ...
Gerade dadurch lässt sich das Buch als eine wahrhafte Geschichte ‚von unten’ begreifen, das seine ProtagonistInnen nicht paternalistisch-mitleidig als historisch Zu-früh-Gekommene begreift (und entmündigt), sondern in ihrer Eigenständigkeit ernstnimmt und auf die Eingriffs- und Gestaltungsfähigkeit des Menschen in der Geschichte insistiert.
Nicht nur dies macht das Buch lesenswert, sondern auch der Umstand, dass hier mit „Seeleuten, Lotsen, Verbrechern, Liebenden, Übersetzern, Musikerinnen und Wanderarbeitern“ (14) Subjekte des Widerstands sichtbar werden, die allzu oft kurzschlüssig als ‚Lumpenproletariat’ nicht der näheren Beschäftigung für wert gehalten wurden.
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