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HOME >> Rezension >> Birke, Peter : Die große Wut und die kleinen Schritte  
 
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Die Erzählweise, bei der Birke immer wieder auf seine eigenen Eindrücke, Erlebnisse und Überlegungen zu sprechen kommt, macht das Buch zu einem echten Lesevergnügen.
Jan Ole Arps : aus ak 552 (20.8.2010) mehr ...
Bart van der Steen diskutiert mit Peter Birke über Voraussetzungen und Unterschiede zwischen verschiedenen Organizing-Ansätzen, die Frage nach der »Übersetzbarkeit« von Handlungskonzepten und nicht zuletzt darüber, was passiert, wenn die ›Poliere der Gewerkschaftsreform‹, die Organizer wieder weg sind.
Bart van der Steen : "Organizing ist kein Zaubertrank" aus express (Juli 2010) mehr ...
Peter Birke wirft mit seinem Buch Fragen auf, die in der deutschen Organizing-Diskussion häufig zu kurz kommen.
Oliver Thünken : aus express (9/10) mehr ...
Nachdem »McKinsey« nicht das Richtige war, haben die Gewerkschaften das »Organizing«
entdeckt. Kein Kursschwenk, aber eine Chance, meint der Historiker Peter Birke.
Jörn Boewe : aus junge welt (30.9.2010) mehr ...
Das Buch eignet sich wenig als Ratgeberlektüre für Gewerkschaftsvorstände. Es ist aber von Nutzen für alle sozialen Akteure, die nach Wegen zu kollektiver Selbstermächtigung suchen.
Jochen Gester : aus SoZ 6/2010 mehr ...
Birke gibt einen anekdotenreichen Überblick über die jüngsten Versuche, in Deutschland nach dem Vorbild der SEIU nicht organisierte Arbeitende zu werben und Kämpfe anzuzetteln.
Christiane Müller-Lobeck : "Das Beispiel leuchtet" aus taz (15.9.2010) mehr ...
Dass er die persönlichen Bezüge zur Arbeit im Betrieb, zum politischen Aktivismus und zur Gewerkschaftsmitgliedschaft mitunter selbstironisch, aber nie widerspruchsfrei thematisiert, macht seine Beobachtungen angenehm zu lesen.
Romin Khan : "Vertrauen statt Drückerkolonne" aus ver.di NEWS mehr ...
 
Oliver Thünken aus express (9/10)
Peter Birke wirft mit seinem Buch Fragen auf, die in der deutschen Organizing-Diskussion häufig zu kurz kommen. Wenn Organizing mehr sein soll als ein funktionaler Werkzeugkasten, der gewerkschaftlichen Funktionsträgern zur termingerechten Mobilisierung der Mitglieder dient, müssen Fragen der gewerkschaftlichen Strategiebildung, der politischen Ausrichtung und der Wahl der Arbeitskampfmittel auf breiter Basis diskutiert und entschieden werden. ... Als möglichen Ausgangspunkt einer solchen Bewegung sieht Birke die Bildung und Vernetzung verschiedenartiger Basisaktivitäten, die sich im »Konflikt mit der Linie der gewerkschaftlichen Politik« positionieren. Organizing-Projekte würden vor diesem Hintergrund eine von vielen Möglichkeiten bieten, in betriebliche Konflikte entsprechend zu intervenieren. Birkes Text kann als Plädoyer gelesen werden, sich dieser Auseinandersetzung in Form des Organizings auch im institutionellen Rahmen der Gewerkschaft zu stellen.
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Jörn Boewe aus junge welt (30.9.2010)
In seinem Buch »Die große Wut und die kleinen Schritte« zeigt Peter Birke aber auch die Zwiespältigkeit der »Organizing«-Bestrebungen, die zumindest von Teilen des Gewerkschaftsapparats lediglich als neuer »Marketingtrend« verstanden und praktiziert werden. Der Autor spricht in diesem Zusammenhang von der »bequemen Vorstellung (…), daß es beim Organizing vorrangig um eine neue Technik gehe, um einen systematisch komponierten Komplex von Handlungsanweisungen, der hinsichtlich seiner sozialen und politischen Bedeutungen neutral sei«.
Ohne Wenn und Aber begrüßt Birke gewerkschaftliche Versuche, Unzufriedenheit, Unmut und diffusen Widerstand unter den Beschäftigten (»labor unrest«) in (politische) Form zu bringen, zu organisieren: »Eine alltägliche Arbeit an innerbetrieblichen Konflikten und ihrer kollektiven Artikulation kann als der vielleicht größte Verdienst der Organizing-Projekte angesehen werden«, schreibt er. »Im Zentrum stehen hier die Arbeitenden selbst. Das Gewerkschaftsverständnis, das auf dieser Grundlage ins Spiel kommt, unterscheidet sich in diesem Sinne grundlegend von allen traditionellen Ansätzen, einschließlich der meisten marxistischen Varianten.«
Birke ist aber unabhängig genug, den »ambivalenten Charakter der bisherigen Organizing-Politik« zu erkennen: »Diese ist davon geprägt, daß es einerseits um das Ziel geht, die Gewerkschaft als (letztlich bürokratischen) Apparat zu retten, andererseits um den Wunsch nach einer basisdemokratischen und kämpferischen Gewerkschaftspolitik.« Und so stößt man in der gewerkschaftlichen Praxis neben ermutigenden Ansätzen immer wieder auch auf jene Spielart des »Organizings«, die letzlich nichts als eine »Innovation autoritärer Sozialtechniken« ist, »entpolitisierte Psychotechnik« zur »Rationalisierung« von »Hierarchie und Bürokratie«.
Wenngleich man »das aktuelle Interesse einiger Gewerkschaftsführer« also nicht als Entscheidung mißverstehen darf, »sich mangels Tanzpartnern wieder mehr am Ringkampf zu orientieren«, tun sich dennoch neue Perspektiven für eine kämpferische Klassenpolitik auf: »Die Chance besteht aus meiner Sicht nicht darin, daß sich dieser oder jener Gewerkschaftsführer so oder so entscheidet«, betont Birke, »sondern in der Offenheit der Situation.« Die Arbeits- und Lebenswelt sei »nunmehr auch in der Bundesrepublik von einer massenhaften Erfahrung entgarantierter und diskontinuierlicher Arbeitsverhältnisse geprägt«. Die Arbeiterklasse ist nicht mehr das, was sie mal war, unter dem Druck der neoliberalen Angriffe wird der Gesamtarbeiter aufgemischt und gezwungen, sich neu zu sortieren. In dieser Umbruchsituation kann durch Organizing »ein möglicher Beitrag zu dem geleistet werden, was die Operaisten früher als Umschlag von der technischen in die politische Neuzusammensetzung der Klasse bezeichnet haben«. »Dabei ist es allerdings entscheidend, wer das Wort ergreift – und nicht gelegentlich zum Schweigen gebracht wird. Organizing, so verstanden, ist weder Boxen noch Tanzen, keine neue Waffe im Arsenal der Gewerkschaftsstrategen, sondern die mögliche Aneignung des Rings durch eine neue soziale Figur, die auf der Grundlage der bis jetzt noch sehr verstreuten Konflikte ihre sozialen und politischen Rechte einfordern wird.«
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Romin Khan "Vertrauen statt Drückerkolonne" aus ver.di NEWS
In seinem Buch betrachtet Birke die mit den neuen Herangehensweisen einhergehenden Konflikte und Reibungen zwischen Hauptamtlichen, betrieblichen Interessensvertreter/innen, Organizer/innen und Mitgliedern. Dabei bezieht er die überwiegend bei ver.di gemachten deutschen Organizing-Erfahrungen, aber auch die hierzulande kaum verfolgten innergewerkschaftlichen Konflikte in den USA mit ein.

Dass er die persönlichen Bezüge zur Arbeit im Betrieb, zum politischen Aktivismus und zur Gewerkschaftsmitgliedschaft mitunter selbstironisch, aber nie widerspruchsfrei thematisiert, macht seine Beobachtungen angenehm zu lesen. Wie vielen Aktiven, die die Organizing-Ansätze unterstützen, geht es ihm nicht nur darum, die Mitgliederzahlen der Gewerkschaften zu stabilisieren, sondern auch die Institutionen und ihre innere Logik zu verändern. Der Maßstab für den Erfolg und Gewinn der Organizing-Projekte darf Birke zufolge nicht in technokratischen Organisationsüberlegungen bestehen, sondern in der
Frage, wie diese kollektive Erfahrungen von Konflikten im Betrieb befördern und verallgemeinerbar machen. Die Gestaltungsmacht der Gewerkschaften ist danach "vor allem eine Folge der in den sozialen Kämpfen gemachten Erfahrungen".

Birke kommt zu dem Schluss, dass Organizer nicht zu einer gewerkschaftlichen "Drückerkolonne" verkommen dürften. Sie müssten Zeit und Mittel haben, um das Vertrauen zu den Beschäftigten, aber auch von Beschäftigten zur Gewerkschaft aufbauen zu können. Wie wichtig diese schwer zu messende Kategorie für erfolgreiche Arbeitskämpfe ist, zeigt Birke mit betrieblichen Bespielen im dritten Teil seines lesenswerten Buches.
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Bücher des Autors bei Assoziation A

Birke | Larsen (Hg.): Besetze deine Stadt! – BZ din by!

Birke | Henninger: KRISEN PROTESTE

Informationen zu

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