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HOME >> Rezension >> Guttstadt, Corry : Die Türkei, die Juden und der Holocaust  
 
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Etwa 2500 Menschen ursprünglich osmanisch-türkischer Herkunft wurden Opfer des Vernichtungswillens, weil sie jüdischen Glaubens waren oder von den Nationalsozialisten als Juden definiert wurden. Über diesen nahezu unbeachteten Aspekt der mörderischen Sorgfalt berichtet Corry Guttstadt in einem vorzüglichen Buch.
Marin Kroeger : "Verweigerte Rettung" aus FAZ (7.4.2009) mehr ...
Bis zur Öffnung aller relevanten türkischen Archive wird diese umfassende, stets sorgfältig gearbeitete und durchdacht argumentierende Studie das Standardwerk sein.
Bernd Rother : aus H-Soz-u-Kult mehr ...
Mit dem lange angekündigten Werk legt Corry Guttstadt ein Buch vor, das zu einem Standardwerk über die Situation der jüdischen Minderheit in der türkischen Republik werden wird.
Thomas Schmidinger : "Türkei Zuflucht und verschlossener Hafen" aus hagalil mehr ...
Die Turkologin Corry Guttstadt leistet mit ihrem Buch Pionierarbeit. Ihr einzigartiger Band basiert auf einer Unmenge an Dokumenten ...
Mary Kreutzer : "Um einen Mythos ärmer" aus iz3w 310 mehr ...
Ein Beitrag von unschätzbarem Wert, der eine Lücke in der jüdischen, türkischen und auch deutschen Geschichtsschreibung füllt.
Birgit Gärtner : "Vergessene Opfer" aus junge welt (11.11.2009) mehr ...
Gespräch mit Corry Guttstadt über Holocaustforschung und Antisemitismus in der Türkei
Bernard Schmid : "Der Mythos von der Rettung der Juden" aus jungle world (44/2008) mehr ...
Corry Guttstadts ebenso umfassende wie differenzierte Arbeit wird auf Jahre hinaus das Standardwerk zum Thema bleiben.
Micha Brumlik : "Unterlassene Hilfeleistung" aus Jüdische Allgemeine (12.2.2009) mehr ...
Mit ihrem Buch hat die Hamburger Turkologin Corry Guttstadt die erste umfassende Studie zur Haltung der türkischen Regierung gegenüber ihren jüdischen Bürgern während des Holocaust vorgelegt.
Sonja Galler : "Interview mit Corry Guttstadt" aus Jüdische Zeitung (Februar 2009) mehr ...
Dass eine länderübergreifende Holocaust-Forschung neue Fragestellungen eröffnet und unsere Kenntnis des deutschen Jahrhundertverbrechens zu erweitern vermag, dafür liefert Guttstadts Buch einen überzeugenden Beweis.
Ahlrich Meyer : "Die verweigerte Rettung" aus Neue Zürcher Zeitung (15.10.2008) mehr ...
Peter Nowak : "Verdrängte Geschichte" aus Neues Deutschland (15.10.2008) mehr ...
Das Buch greift ein wenig beleuchtetes Thema auf. Angesichts eines wachsenden Antisemitismus erhält es eine besondere Aktualität. Ihre Arbeit dürfte manche Ansätze des Holocaustgedenkens in der deutschen Einwanderungsgesellschaft bereichern.
Anke Schwarzer : "Das vergessene Schicksal der türkischen Juden" aus Süddeutsche Zeitung (14.10.2008) mehr ...
Corry Guttstadt präsentiert in ihrer bahnbrechenden Studie zahlreiche bislang nicht bekannte Fakten, die zeigen, dass das offizielle Geschichtsbild einer durchweg judenfreundlichen türkischen Politik einer grundlegenden Revision bedarf.
Michael Kiefer : "Geschönte Geschichte" aus taz (11.10.2008) mehr ...
Eine empirisch reichhaltige und zugleich theoretisch-anspruchsvolle Analyse.
aus www.juden-in-sachsen.de mehr ...
 
Micha Brumlik "Unterlassene Hilfeleistung" aus Jüdische Allgemeine (12.2.2009)
Regelrechten Sprengstoff enthält die 2008 erschienene Studie der Hamburger Turkologin und Übersetzerin Corry Guttstadt. Diese Studie ist deswegen so brisant, weil sie einen Mythos zum Einsturz bringt: den von dem die europäischen Juden nach allen Kräften rettenden neutralen Staat am Bosporus.
Guttstadts Studie, die keineswegs nur den Holocaust, sondern die ganze Geschichte der Juden in der kemalistischen Türkei seit den 20er-Jahren penibel auf Basis von neu erhobenen Quellen darstellt, zeigt, dass das schöne Bild nicht stimmt. Die einzelnen mutigen Taten türkischer Botschafter und Konsularbeamter im von den Deutschen besetzten Europa stellen mit Blick auf die Haltung der Türkei bestenfalls ein Viertel der Wahrheit und damit eine ganze Lüge dar.
Guttstadt weist nach, wie der jungtürkische und kemalistische, auf Homogenisierung von Armeniern, Kurden und Juden zielende Nationalismus vor und nach dem Ersten Weltkrieg Abertausende türkischer Juden zur Auswanderung nach Europa, nach Deutschland, Frankreich und in die Benelux-Staaten trieb und zwar so, dass die ersten und größten türkischen Kolonien etwa in Paris und Berlin vor allem aus Juden bestanden. Die Türkei beließ diese Menschen in oft ungeklärten konsularischen Statusfragen, so dass bald Abertausende türkischer Juden unter den Einfluss Deutschlands gerieten, sie aber ihrer „neutralen“ Staatsangehörigkeit wegen zunächst noch vor Deportationen in die Vernichtungslager geschützt waren. Die kemalistischen Passgesetze besagten, dass ehemalige osmanische Staatsbürger, die nicht am „Befreiungskampf“ in den frühen 20er-Jahren teilgenommen hatten, nicht in die Türkei zurückkehren durften.
Mitte des Jahres 1942 stellte die nationalsozialistische deutsche Reichsregierung verschiedenen neutralen Staaten ein Ultimatum, ihre jüdischen Bürger, die noch in Westeuropa lebten, zu repatriieren, so auch im Oktober des Jahres der Türkei. Trotz erheblichem deutschen Druck reagierte die Türkei nicht, räumte indes ein Jahr später, 1943, immerhin ein, begründete Einzelfälle zu prüfen, entzog aber gleichwohl in den Jahren 1942 bis 1944 Tausenden türkischen Juden im besetzten Europa die Staatsbürgerschaft – und das, wie Corry Guttstadt nachweisen kann, dem Umstand zum Trotz, dass man sich in den politischen Kreisen Ankaras spätestens 1943 ein genaues Bild über die Ermordung der in Europa vegetierenden Juden machen konnte. Man wird also im Fall der damaligen türkischen Regierung nicht nur von unterlassener, sondern von wissentlich unterlassener Hilfeleistung sprechen müssen.
Corry Guttstadts ebenso umfassende wie differenzierte Arbeit wird auf Jahre hinaus das Standardwerk zum Thema bleiben.
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Peter Nowak "Verdrängte Geschichte" aus Neues Deutschland (15.10.2008)
Wer von nationalen Minderheiten in der Türkei redet, denkt meist an Kurden und Armenier. Die Hamburger Historikerin Corry Guttstadt hat ein gut lesbares Buch vorgelegt, das sich der Geschichte der Juden in der Türkei vom Mittelalter bis in die Gegenwart widmet.
Schon im 14. Jahrhundert war die Türkei Zufluchtsort für vor dem christlichen Antisemitismus aus Mittel- und Osteuropa fliehende Juden. Eine weitere große jüdische Einwanderungswelle setzte nach der spanischen Reconquista ein. Viele dieser Sephardim ließen sich, von den osmanischen Herrschern gefördert, auf dem Territorium der Türkei nieder. ... Mit dem wachsenden Einfluss der europäischen Großmächte auf die türkische Innenpolitik nahmen auch antijüdische Gewaltausbrüche zu, häufig mit Ritualmordbeschuldigungen verknüpft, wie im christlichen Europa. ... Mit der jungtürkischen Revolution 1908 hoffte auch die jüdische Minderheit auf Gleichberechtigung. Doch nach einem kurzen Sommer der Verbrüderung nahm der politische Druck auf alle nationalen Minderheiten, auch die Juden, zu. Guttstadt beschreibt, wie schon vor dem Ersten Weltkrieg jene Synthese aus türkisch-nationalistischen Ideen und antiimperialistisch verbrämten Chauvinismus entstand, die sich in der Gegenwart z.B. in dem umstrittenen Film „Tal der Wölfe“ zeigt. Stieß der Kemalismus wegen seines auf Modernisierung ausgerichteten Regierungsprogramms bei vielen türkischen Juden zunächst auf Zustimmung, folgte bald große Enttäuschung.
Ausführlich widmet sich die Autorin der Rolle der Türkei während der NS-Zeit. Sie war ein wichtiges Transitland für Juden, die sich nach Palästina retten wollten. Doch nach dem deutsch-türkischen Freundschaftsvertrag von 1941 paarte sich eine restriktive Politik gegen Flüchtlinge mit antijüdischen Maßnahmen. ...
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Anke Schwarzer "Das vergessene Schicksal der türkischen Juden" aus Süddeutsche Zeitung (14.10.2008)
Manchmal taucht ein Thema auf, und man fragt sich, warum es erst jetzt erforscht wird. Corry Guttstadts Werk zählt zu eben diesen Büchern. Die Historikerin und Turkologin zeichnet die wechselvolle Geschichte der Juden des Osmanischen Reichs und der Türkei nach. … Insbesondere die türkischen Juden, die in verschieden Ländern Europas lebten und Opfer des Holocaust wurden, sind in der internationalen Forschung bisher kaum berücksichtigt worden. Es existiert noch nicht einmal ein Gedenkbuch. Auch die Türkei zeigt wenig Elan, das Schicksal ihrer jüdischen Staatsangehörigen und weiterer Opfer des Nationalsozialismus aufzuarbeiten. … Die Nationalsozialisten deportierten 2.200 bis 2.500 Juden türkischer Abstammung aus verschiedenen europäischen Ländern in die Vernichtungslager Auschwitz und Sobibor, weitere 300 bis 400 in die Konzentrationslager Ravensbrück, Buchenwald, Mauthausen, Dachau und Bergen-Belsen, wo viele von ihnen ihr Leben verloren. Der türkische Staat unternahm damals wenig, um seine Staatsbürger zu retten. Im Gegenteil: Die Politik Ankaras war darauf ausgerichtet, eine Remigration von Juden in die Türkei zu verhindern. … Selbst noch 1942 ließ Ankara das Ultimatum der Nationalsozialisten an neutrale und verbündete Staaten zur Repatriierung ihrer jüdischen Bürger verstreichen und bürgerte mehrere tausend türkische Juden aus. Gleichwohl nutzen einige Diplomaten der Türkei ihren Handlungsspielraum, und auch jüdische Hilfsorganisationen in Istanbul konnten vereinzelt Juden aus dem besetzten Europa retten. …
Indem Guttstadt Berichte osmanischer und türkischer Juden auszugsweise dokumentiert, Fotos zeigt und Besonderheiten einzelner Gemeinden herausstellt, ist das Buch gut lesbar und anschaulich geschrieben. Es gelingt ihr auch, die türkischen Juden nicht nur als Opfer des Holocaust zu sehen, sondern die Vielfalt der türkisch-jüdischen Gemeinden in Europa während der Zwischenkriegszeit zu zeigen.
Das Buch greift nicht nur ein wenig beleuchtetes historisches Thema auf. Angesichts eines wachsenden Antisemitismus in Europa und in der Türkei erhält es eine besondere Aktualität. Ihre Arbeit dürfte auch so manche Ansätze des Holocaustgedenkens in der deutschen Einwanderungsgesellschaft bereichern.
Das wichtige Buch zeugt von der großen Ausdauer, mit der die Autorin über mehrere Jahre hinweg in Europa, Israel, den USA und der Türkei geforscht hat: Neben der Literaturrecherche hat sie in Archiven und KZ-Gedenkstätten gesucht, Gespräche mit Überlebenden und Zeitzeugen geführt und interessante Passagen in Biographien bekannter Personen wie Ted Kollek und Elias Canetti entdeckt. Wie bei einer Ausgrabung, so scheint es, hat sie jede winzige Scherbe aufgehoben und den Staub weggepinselt.
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