Die Autorinnen zeigen zahlreiche Varianten, wie junge Frauen in China gegen träge Behörden, erbarmungslose Chefs und patriarchale Familien rebellieren. Die beiden Aktivistinnen der Hongkonger Nichtregierungsorganisation Chinese Working Women Network beraten Arbeiterinnen, die aus den chinesischen Provinzen ins Perlfluss- und Jangtse-Delta gewandert sind, um in den Industriezonen Geld zu verdienen. Die Wanderarbeiterinnen vom Lande werden in China »dagongmei« genannt, wörtlich: kleine arbeitende Schwestern. ... Wie so oft in der Geschichte protestierte auch in China erst die zweite Arbeitergeneration, die Nachfolger derer, die vom Land in die Fabriken nach Shanghai, Shenzen und andere Industriestädte gekommen waren, gegen die lebensgefährlichen Produktionsbedingungen und die miserable Entlohnung. »Das Leben eines Menschen zählt so viel wie das einer Ameise. Man kann sie mal eben so zerquetschen«, sagt die Überlebende eines Fabrikbrandes. Protestmittel sind Bummelstreiks, kleinere Sabotagen, Singen am Fließband, offene Briefe, Streiks und Demonstrationen. Zur Not wechseln sie den Job, wenn er zu gefährlich oder langweilig ist. Tiaocao, das Jobhopping, ist weit verbreitet – zum Ärger der Manager.
China zählt 150 bis 200 Millionen Wanderarbeiter – weit mehr als die Hälfte junge Frauen – Hunderttausende Arbeitskonflikte, Aufstände und pro Jahr etwa 100.000 Tote durch Arbeitsunfälle. Genaue Zahlen existieren nicht. Aber selbst das Ministerium für Öffentliche Sicherheit meldete eine drastische Zunahme »größerer Vorfälle«. Vor allem seit 2003, etwa zehn Jahre nach Beginn der Wanderungswelle in die Industriestädte, nahmen die Arbeitskämpfe erheblich zu. ...
Die zwölf biographischen Berichte junger Wanderarbeiterinnen zeigen, dass die meisten von ihnen dem öden Landleben, der Misshandlung durch den Ehemann oder einer anstehenden Zwangsheirat entflohen sind. Gleichwohl ist für viele die Rückkehr, wenn auch unter großer Scham, eine Option, wenn das Überleben in der Stadt nicht mehr möglich ist.
Das Buch ist auch ohne Vorkenntnisse verständlich, da es Hintergründe beleuchtet. Die erschütternden persönlichen Berichte zeugen von den Ambivalenzen, die die jungen Frauen zwischen der Langsamkeit des Landes und dem Drill der Fabrik, zwischen Familie und Freiheit hin- und hertreiben. Schade, dass bis auf einen Fall keine Firmennamen genannt werden und dass unberücksichtigt bleibt, wie sich das Engagement von Initiativen in Europa und Nordamerika, die sich für bessere Arbeitsbedingungen einsetzen und Markenfirmen anprangern, auswirkt. |