Die kurze, aber grausige Epoche des deutschen Kolonialismus in Afrika war in den letzten Jahrzehnten Gegenstand umfänglicher Forschung. Wenig behandelt wurde allerdings die Vorgeschichte der Landnahme: Auch im Kaiserreich folgte die Flagge dem Handel. Es ist ein Verdienst der Autoren des 1999 erstmals veröffentlichten und nun gründlich überarbeiteten Sammelbandes »Branntwein, Bibeln und Bananen. Der deutsche Kolonialismus in Afrika. Eine Spurensuche«, die Vergangenheit ihrer Heimatstadt Hamburg in dieser Hinsicht und insbesondere die Rolle der hanseatischen Handelshäuser als Wegbereiter und Nutznießer von Massakern der deutschen Militärs zu beleuchten. …
Ausführlich wird in mehreren Beiträgen die damit verbundene Politik am Beispiel Kameruns geschildert: Betrug, Enteignung, blutige Niederschlagung von Aufständen; deutsche Missionsgesellschaften, die unter dem Motto »Bete und arbeite« den ideologischen Rückhalt für Raub und Unterdrückung lieferten; dieselben Unternehmen, die durch Landraub Aufstände verursachten und von deren Niederschlagung profitierten, unter anderem, indem sie deutschen Truppentransporten überhöhte Frachtgebühren diktierten.
Andere Texte befassen sich mit dem Ende des deutschen Kolonialreiches als Folge des Ersten Weltkrieges, was keineswegs das Ende kolonialer Ansprüche bedeutete. Die in Afrika aktiven Unternehmen waren sich ab 1933 der Unterstützung des Naziregimes bei der geplanten Rückerwerbung der Kolonien sicher, oft waren die Inhaber Mitglieder oder Förderer der Nazipartei. Als die faschistischen Kolonialpläne sich 1945 im Feuer sowjetischer Truppen auflösten, bedeutete dies für die meisten in der Bundesrepublik lebenden Propagandisten von kolonialer Eroberung und Rassismus keinen Karriereknick. Ein zögerliches Umdenken setzte erst ein, als im Jahre 1968 revoltierende Studenten das Denkmal des Schlächters Hermann von Wissmann (1853–1905) in Hamburg vom Sockel holten. … |