Für die Diskussion um »68 und die Folgen«, seit Jahren ein geschichtspolitischer Dauerbrenner und spätestens 2008 wieder in aller Munde, erschließen die Herausgeber eine wichtige Phase des Übergangs. »Agit 883« erschien von 1969 bis 1972, also in der Zeit, die im Rückblick zwischen dem »guten 1968« und dem »bösen roten Jahrzehnt« der K-Gruppen und Militanten liegt. Während das eine »als Anstoß zur Liberalisierung und Modernisierung der westdeutschen Gesellschaft inzwischen überwiegend positiv besetzt« sei, schreiben Knud Andresen, Markus Mohr und Hartmut Rübner im Vorwort, würden die Folgejahre mit ihren »maoistischen Parteien und dem bewaffneten Kampf, der zumeist mit der RAF gleichgesetzt wird«, in der Regel scharf verurteilt. Diese Spaltung ist auch konstitutiv für die heute übliche Selbstdistanzierung einstiger Protagonisten, die auf die Anerkennung, dabei gewesen zu sein, dennoch nicht verzichten wollen: Am guten Anfang lief man noch mit, aber vom bösen Ende hat man sich schon früh losgesagt – bzw. gerade noch rechtzeitig.
Die Herausgeber – der Kollektivname »rotaprint 25« nimmt die Bezeichnung der Offsetdruckmaschine auf, mit der die »Agit 883« gedruckt wurde – sehen die Jahre 1969 und 1970 dagegen »vor allem als Suchbewegung, in denen sich bewaffnete und militante Gruppen, egalitäre kommunistische Basisgruppen und Parteien, Studentenzirkel, Musikbands, autonome Selbsthilfegruppen, Frauengruppen und Subkulturen herausbildeten und verstetigten«. Das »komplizierte Palästinaproblem«, auf das sich auch Kraushaar gestürzt hat, wird dabei nicht verschwiegen. Auch in der »Agit 883«, so Andresen, habe ein Teil der für die Zeit nicht unüblichen antizionistischen Argumente »auf einem antisemitischen Kern« basiert. Mit dem Lesebuch kann sich jeder selbst ein Bild machen. |