Durch die Erkenntnisse biologischer und medizinischer Forschung werden grundlegende Bereiche des Lebens wie Schwangerschaft, Geburt, Krankheit und Tod immer stärker umgedeutet und in die Welt von Molekülen und chemischen Reaktionen verlagert. Ob sich jemand als krank empfindet oder nicht, wird zunehmend von normierten Laborwerten beeinflußt. Die Frage des Todeszeitpunktes wird von medizinischen Möglichkeiten und Messgeräten bestimmt.
Erleichtert wird die Verinnerlichung dieser wissenschaftlichen Konzepte durch technogene Bilder: das Immunsystem als Netzwerkschema, der Fötus auf dem Bildschirm des Ultraschallgeräts oder die Erde aus Satellitenperspektive.
Derartige Lebensbilder verändern unsere Alltagswahrnehmung und führen zu Umwertungen dessen, was Krankheit und was Gesundheit ist, wann Leben beginnt oder der Tod Leben beendet.
Mit Beiträgen von Erika Feyerabend, Beate Zimmermann, Johannes Hoff, Florianne Koechlin, Barbara Duden, Marianne Gronemeyer und Wolfgang Sachs.